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Alinghi trainiert allein in Ras al-Khaimah

von Quentin Mayerat

Der Sandhaufen, der mitten in der Lagune von Ras al-Khaimah aus dem Wasser ragt, ist noch ziemlich kahl. Vier weisse Zelte stehen darauf, drei davon bilden die neue Alinghi-Basis, das vierte dient als Kantine. Wir scheinen Lichtjahre von der üppigen Hightech-Ausstattung Valencias entfernt. Im ersten, in Wassernähe aufgestellten Zelt, wird der Katamaran untergebracht, wenn er nicht gerade mit den Rümpfen im Wasser liegt, den Mast stolz in den Himmel gerichtet. Die Masten werden im zweiten Zelt versorgt und unterhalten, im dritten befi ndet sich die Segelmacherei. Vor dieser Kulisse bereitet sich Alinghi auf seine zweite Verteidigung der Silberkanne vor.
Wenige Dutzend Meter weiter schaufeln Bagger pausenlos Sand und ziehen ihre Spuren in den Boden. Hier hätte die Basis von BMW Oracle entstehen sollen. „Die Basis wäre in ein oder zwei, aber höchstens drei Wochen gestanden“, bedauert Doktor Khater Massaad, der operative Direktor von RAK Investment Authority und somit der von Scheich Saud Bin Saqr Al Qasimi eingesetzte Verantwortliche für das America’s-Cup-Dossier. „Sonst ist mit Ausnahme weniger Details alles soweit fertig.“ Eine Trenddestination für Segler?
Die Bauarbeiten wurden im Eilzugstempo vollendet und sind Teil eines globalen Entwicklungsplans von offi ziell 120 Millionen Dollar. Alinghi muss dafür keinen Heller berappen, so wurde es mit dem Emirat vereinbart.
„Der America’s Cup wäre ein sehr wichtiger Anlass für Ras al-Khaimah. Er würde den Fremdenverkehr ankurbeln und die ausländischen Investitionen in die Höhe treiben“, erklärt Khater Massaad die Grosszügigkeit.
Scheich Omar Bin Saqr Al Qasimi, der Bruder des regierenden Emirs und somit auch Regierungsmitglied, fügt hinzu: „Wir haben viel Geld ausgegeben, aber sämtliche Infrastrukturen sind Teil eines regionalen
Entwicklungsplans. Das macht auch der Bau der künstlichen Insel deutlich.“
Nach Wunsch der Machthabenden soll RAK mit seinen 300 000 Einwohnern zur neuen Trenddestination der Segler werden. Bislang kannten diese vor allem Dubai. Vorbild ist Oman, das seit einigen Jahren mit seinem von Loïck Peyron geführten Team Oman Sail erfolgreich für sich wirbt. „Der America’s Cup hätte der erste Segelevent einer langen Serie sein sollen“, betont Doktor Massaad und räumt Befürchtungen, der Stadt fehle es an den nötigen Hotelkapazitäten für einen Grossanlass, mit einer Handbewegung aus: „Wir verfügen mittlerweile über 3 000 Zimmer und es werden noch mehr dazukommen. Ausserdem stehen weitere 100 000 Betten weniger als eine Stunde von RAK entfernt zur Verfügung.“
Fast perfekte Bedingungen
Dank der fast bedingungslosen, vollen Unterstützung einer so fi nanzkräftigen Regierung hat sich Alinghi in der Sonne des Persischen Golfs schnell eingelebt. Auch die nahezu perfekten Bedingungen haben dazu beigetragen. Das gesamte Team ist in einer Wohn- und Villenanlage untergebracht, die um ein 7-Sterne-Hotel herum angelegt ist und nur knapp zehn Minuten von der Basis entfernt liegt. Beim Defender herrscht eine gelöste Stimmung, die Dinge werden mit Ruhe angegangen. Grant Simmer, der als einer der ersten vor Ort war, meint dazu: „Wir haben die Büros des Design Teams hier eingerichtet, damit wir effi zienter sind. Bis Februar gibt es noch viel zu tun, denn der Katamaran bietet zahlreichre Entwicklungsmöglichkeiten und wir müssen Entscheidungen treffen.“
Auch dem Segelteam geht die Arbeit nicht aus. Es kann sich nicht einfach zurücklehnen und abwarten, wie der Konflikt mit BMW Oracle ausgeht, das weiss auch Brad Butterworth: „Wir werden bestimmt an sechs von sieben Tagen mit allen Teammitgliedern segeln. Wir müssen die richtige Organisation auf dem Boot und die beste technische Zusammenstellung fi nden. Das bedeutet viel Arbeit und Schweiss. Unser Ziel ist es, so viel Zeit wie möglich auf dem Wasser zu verbringen.“ Auf die Regattatrainings folgt jeweils sofort ein detailliertes Debriefi ng. „Uns stehen sämtliche Informationen in Echtzeit zur Verfügung“, erklärt Alain Gautier. „In dieser Hinsicht gleicht unsere Technologie stark der der Formel 1. Sie ist extrem bereichernd, vor allem auch deshalb, weil bei den Gesprächen gute Laune herrscht. Die Hierarchie ist nicht belastend und die Türen sind immer offen.“ Ein Klima, das im krassen Gegensatz zur bedrückenden Atmosphäre am Obersten Gerichtshof in New York steht, wo über die Zukunft des Cups entschieden wird. Schliesslich ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass es sich in der Sonne viel unbeschwerter lebt.

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