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Lüderitz am Genfersee

von Quentin Mayerat

Mirabaud LX und Syz&Co, die beiden Hightech-Foiler vom Genfersee. Trotz stark unter-schiedlicher Bau- und Betriebskosten haben sie etwas gemeinsam: Sie werden beide von passionierten Amateurteams gesegelt. © Juerg Kaufmann

© Philippe Schiller / myimage

Mit der Organisation des ganz auf Tempo ausgerichteten Anlasses erinnert die Société Nautique de Genève daran, dass der Genfersee eine der weltweit wichtigsten Wiegen für die Entwicklung von verwegenen Prototypen ist. Neben den unumgänglichen Moth-Seglern und Kitesurfern werden an der Speed Week wohl vor allem die Flitzer Syz&Co, Mirabaud LX und Hydroptère.ch für Aufsehen sorgen.

Wind ist nicht alles

Genf hat zwar nicht die gleichen Windbedingungen wie die Bucht vor Weymouth oder die namibische Küste, die in den letzten vier Jahren zum ultimativen Rekordspot geworden ist, profitiert aber im Oktober oft von einer günstigen Bise und einem starken Südwestwind. „Es besteht natürlich Flautengefahr“, sagt OK-Chef Rodolphe Gautier, „aber es geht uns nicht darum, neue Weltrekorde aufzustellen. Wir wollen in erster Linie etwas Neues auf die Beine stellen, das stellvertretend für das moderne Segeln ist. Unabhängig vom Wetter wird es gezwungenermassen in jeder Kategorie jemanden geben, der schneller ist als die anderen und schon das ist für die Konkurrenten Herausforderung genug.“

Wer alles teilnehmen wird, wissen die Organisatoren zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Zahlreich erscheinen dürften aber die in der SNG stark vertretenen Moth. Jean-Pierre Ziegert, der bereits mehrere Genferseerekorde hält, wird sich die Gelegenheit wahrscheinlich genauso wenig entgehen lassen wie die Psarofaghis-Brüder. Ausserdem sind Kite- und Windsurfer herzlich eingeladen, dem Tempofest beizuwohnen.

Die schönsten Protos

Die Eigner der Mirabaud LX haben ihr Interesse bereits angemeldet, ihre Teilnahme steht mittlerweile fest. Der Einrümpfer mit den T-förmigen Foilern ist seit Anfang dieser Saison mit einem Flügelsegel ausgerüstet und wird sein Potenzial bestimmt unter Beweis stellen wollen. An der Bol d’Or musste das Boot wegen eines Riggproblems aufgeben, seither feilt das Team an den Einstellungen. „Wir sind nur wenig gesegelt“, erklärt Jundt hochmotiviert. „Es gab viele Nachbesserungen und wir mussten uns mit dem neuen Gerät vertraut machen.“ Bei der Erwähnung des Flügelsegels gerät er ins Schwärmen. „Man kann schlecht behaupten, dass das Segel schnell ist, sicher ist aber, dass es einen Turboeffekt hat.“ Thomas Jundt ist der festen Überzeugung, dass er das vielseitigste Boot der Protoflotte besitzt und wird es deshalb zuvor in Cowes testen und ausstellen.

Auch Syz&Co wird nicht um eine Teilnahme herumkommen, schliesslich ist ihr Partner zugleich der Sponsor der Speed Week. Der Foiler hatte bisher noch keine Gelegenheit, sich zu beweisen und könnte das nun nachholen. Miteigner Alex Schneiter sieht dem weiteren Programm optimistisch entgegen: „Wir werden Ende August wieder segeln und überlegen uns einige Änderungen, damit wir das Boot bei unterschiedlichen Bedingungen einsetzen können“. Mit dem Boot selbst ist das Team zufrieden, Gewicht und Profil der Foiler sind hingegen noch nicht optimal. Schneiter meint deshalb auch: „Die vom Hydroptère.ch aufgestellten Rekorde scheinen mir in Reichweite. Ich glaube, dass das Boot gut fliegt, aber wir müssen seine Grenzen erst noch besser kennen und herausfinden, wie wir sein Potenzial bestmöglich ausschöpfen können.“

Thébault und sein Foilerkatamaran

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird auch der Hydroptère.ch, auf dem Skippers diesen Sommer mitsegeln durfte, mit von der Partie sein, obwohl Alain Thébault noch keine feste Zusage machen will, da die Entscheidung des Sponsors LODH, einem Konkurrenten des Organisators, noch aussteht. „Unser Team hat die Flugphase am besten im Griff, wir arbeiten schliesslich auch schon zwanzig Jahre daran“, so Thébault. Der Inhaber des absoluten Rekords auf einem Segelboot sowie des Stunden- und Kilometerrekords auf dem Genfersee besitzt zweifellos das beste Instrument, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Im Gegensatz zu den anderen Teams besteht seine Crew aus lauter Profis und kümmert sich ausschliesslich um die Optimierung des fliegenden, mit unzähligen Sensoren gespickten Geräts. „Der Hydroptère.ch ist einfach und hightech zugleich. Es geht nicht unbedingt nur um Tempo, das Boot soll bei unterschiedlichsten Bedingungen segeln und fliegen können und als Modell für die Entwicklung eines grösseren Bootes für Hochseeregatten dienen (siehe Kasten).“ Bei unserer Testfahrt wurde der Kataraman wegen Windmangels von einem Boot gezogen, richtete sich dann problemlos auf seinen Foils auf und fand auf seinen vier Tragflächen eine stabile Lage. Es ist nicht zu übersehen, dass jedes Detail genauestens durchdacht ist, was den Foiler wohl zum ausgereiftesten Segelboot seiner Kategorie macht. Etwas anderes würde überraschen, denn auch das Budget ist mit keinem anderen der am Genfersee stationierten Flitzer vergleichbar.

Die erste Speed Week am Genfersee verspricht eine geballte Ladung Technologie und viel Sport. Damit das Tempofest ein Erfolg wird, fehlen nur noch die Zusagen der Teilnehmer. Und die Gunst der Windgötter natürlich.

Librhyd oder in drei Tagen über den Atlantik. Die aus dem Hydroptère.ch entstandene, von Alain Thébault, Philippe Perrier, Vincent Lauriot-Prevost und den „Päpsten der Luftfahrt“, die Alain seit 20 Jahren zur Seite stehen, entwickelte Librhyd soll 2013 das Licht erblicken. Der mit einem Flügelmast ausgestattete Foiler soll in weniger als drei Tagen den Atlantik überqueren. Thébault hat schon oft mit ambitionierten Projekten auf sich aufmerksam gemacht und auch die Librhyd wird in Seglerkreisen bestimmt für einigen Gesprächsstoff sorgen. © DR

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