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Sprint der segelnden Gladiatoren

von Quentin Mayerat

Nach 30 Läufen stand die Lokalmatadorin The Wave, Muscat als Siegerin der englischen Etappe fest. Leigh McMillan, Skipper des omanischen Bootes, setzte sich knapp gegen die Italiener von Luna Rossa und das Team Alinghi durch. Trotz der Terminüberschneidung mit dem ersten Event der America’s Cup World Series in Cascais (6.-14. August), waren alle elf Teams der Extreme Sailing Series plus ein Team mit einer Wild Card im Mekka des Segelns anwesend, darunter auch Emirates Team New Zealand und Artemis Racing. Das hochkarätig besetzte Feld vereinte in Cowes zur 5. Regatta der Tour 2011 15 Nationen und 48 Profisegler mit insgesamt 30 Olympiateilnahmen, 82 Weltmeistertiteln und 57 Rekorden. Es war das hochklassigste Aufgebot in der fünfjährigen Geschichte der Regattatour. „Bei den Extreme Sailing Series regattiert man wie in einem Stadion, das ist extrem spannend. Darin gleicht der Wettkampf einem Boardercross oder Skicross Contest. Man muss ständig improvisieren und die Ellbogen gebrauchen. Die Läufe sind kurz und dynamisch, es herrscht gute Stimmung und es gibt Musik, Fun und Sport“, bringt der Alinghi-Skipper Tanguy Cariou das Klima bei diesen auf den extrem schnellen und spektakulären 40-Fuss-Katamaranen ausgetragenen Regatten treffend auf den Punkt.

© Jean-Guy Python

Auch das per Wild Card eingeladene, von Aberdeen Asset Management unterstützte Team mit den 49er-Olympiaseglern John Pink und Rick Peacock konnte sich sehen lassen. Ein wirklich ansehnliches Staraufgebot, das die Organisatoren für dieses anspruchsvolle, hochspannende und hart umkämpfte Sportereignis vereint hatten! In Cowes setzte der Brite Leigh McMillan auf The Wave, Muscat alles daran, seinen in Boston (Titelblatt dieser Skippers-Ausgabe) ersegelten dritten Platz zu verteidigen. Dort hatten die Neuseeländer die obersten Podestplätze in Beschlag genommen. Im letzten Lauf von Act IV war Dean Barker und Emirates Team New
Zealand
ein Meisterstück gelungen, mit dem sie Artemis Racing (2.), die schon als feste Siegerin gegolten hatte, von der Spitze verdrängten. The Wave, Muscat und ihr neuer Skipper Leigh McMillan vervollständigten damals das Podest. Der britische Segler konnte es kaum fassen: „Als wir die Ziellinie querten, sprang ich wie wild herum und schrie wie ein Kind. Es war genial, eine Wahnsinnsbelohnung für das ganze Team.“

© Marc Lloyd

Spektakel hoch drei

Ihre Arbeit hat Früchte getragen. Die Segler aus Oman doppelten in Cowes nach. Wie Überflieger dominierten sie das Geschehen und holten sich verdient den Sieg. Ein weiteres Highlight war das Duell zwischen Groupe Edmond de Rothschild und Alinghi um den dritten Platz. Die Schweizer behielten schliesslich die Oberhand und arbeiteten sich vom 7. Rang auf den 3. Rang vor. Pierre Pennec am Steuer der Groupe Edmond de Rothschild legte von Beginn weg eine solche Entschlossenheit an den Tag, dass er nach dem ersten Tag die Zwischenwertung anführte. Es wurde mit so harten Bandagen und ohne Rücksicht auf Verluste gekämpft, dass die Boote manchmal hart am Limit waren und Kollisionen nur knapp vermeiden konnten. Immer gelang das aber nicht. Im vierten Lauf des zweiten Wettkampftages in Cowes prallten die Franzosen mit voller Wucht mit der schwedischen Artemis Racing zusammen. Die beiden schwer beschädigten Boote mussten in den Hafen zurückkehren. Pierre Pennec konnte die Regatten am nächsten Tag wieder aufnehmen, Artemis Racing, die in Cowes von Santiago Lange gesteuert wurde, war hingegen irreparabel.

Das hochkarätig besetzte Feld vereinte in Cowes 48 Profisegler mit insgesamt 30 Olympiateilnahmen, 82 Weltmeistertiteln und 57 Rekorden. © Marc Lloyd

Nach den Zuschauermassen und dem lautstarken Applaus in Cowes zu schliessen, hat Mark Turner mit seinem Wettkampfformat voll ins Schwarze getroffen. Es ist ihm gelungen, das Publikum für die Regatten zu begeistern. Und das mit einer eigentlich höchst simplen Formel: Man nehme elf 40-Fuss-Sportkatamarane mit je vier helmtragenden Seglern an Bord, organisiere die Regatten so nah wie möglich am Ufer, damit die Skyline der Stadt von einer Wand bunter Segel verdeckt wird und schon hat man das Rezept des aktuellen, so spannenden Circuits der Extreme 40. Ob sich andere daran ein Beispiel nehmen?

© Chris Schmid

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