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Wenn der Segelsport den Planeten rettet

von Quentin Mayerat

Nachhaltige Entwicklung ist im Trend. Auch in der Hochseeszene scheint das Umweltbewusstsein gestiegen zu sein. Eigentlich ist das ja wenig verwunderlich, schliesslich sitzen die Segler in der vordersten Reihe, wenn es darum geht, die negativen Auswirkungen der modernen Welt auf die Umwelt zu beo-bachten. Die Bilder des Volvo Ocean Race in der Malakkastrasse sind in trauriger Erinnerung geblieben. Meere und Ozeane werden oft als Mülleimer missbraucht und das, was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Segler, Sponsoren und Organisatoren haben begriffen, dass sie nahe am Geschehen sind und auch einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen müssen, die Öffentlichkeit über das Problem aufzuklären und sich für eine Lösung einzusetzen. Sie werden als Vertreter einer als sauber geltenden Sportart bestimmt ernster genommen als Autorennfahrer, obwohl sich mittlerweile sogar die Dakar-Rallye umweltbewusst gibt (sic)!

Umweltaktionen gibt es in Hülle und Fülle, sie sind genauso zahlreich wie vielfältig. Was fehlt, ist eine effiziente Koordination. Sie würde den unzähligen kleinen und grossen Aktionen zweifellos zu mehr Wirkung verhelfen und wertvolle Synergien schaffen.

Die Transat Jacques Vabre in der Vorreiterrolle

Die Transat Jacques Vabre war 2007 eine der ersten Regatten, die sich explizit für nachhaltige Entwicklung einsetzte, was vermutlich auch daran liegt, dass der Sponsor der Regatta, ein bekannter Kaffeeimporteur und -händler, durch seine Tätigkeit stärker von der Problematik betroffen ist als andere Unternehmen. Im Laufe der Jahre hat der Veranstalter die verschiedenen Umweltaspekte bei der Organisation des Events mehr und mehr einbezogen und sich für die Abfallentsorgung sowie die Optimierung und die Verbesserung der Transporte stark gemacht. Sogar ein CO2-Ausgleich über ein Wiederaufforstungsprogramm wurde eingeführt. Zudem hat sich Kraft Food, dem die Kaffeemarke gehört, verpflichtet, bis 2015 ausschliesslich Kaffee aus 100% nachhaltigem Anbau einzukaufen.

Volvo und America’s Cup folgen dem Trend

Auch andere grosse internationale Anlässe stellen sich dem Problem. Der America’s Cup und das Volvo Ocean Race zum Beispiel haben Programme zum Schutz der Meere in die Wege geleitet. Die Weltumsegelung organisiert an allen Stop-Overs Strandreinigungen und in jedem Regattadorf steht ein Zelt, in dem über die Problematik informiert wird.

Einen Schritt weiter gegangen sind die Organisatoren des America’s Cups. Zusätzlich zu Strandreinigungsaktionen haben sie Partnerschaften mit Non-Profit-Organisationen abgeschlossen und eine Nachhaltigkeitspolitik ausgearbeitet, die Mitte Februar in Form eines Sustainability Plans der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In dem ausführlichen, rund zwanzigseitigen Dokument sind alle Massnahmen festgehalten, mit denen die Umweltauswirkungen des Cups so gering wie möglich gehalten werden sollen. Besonders zu begrüssen sind die ISO 20121 Zertifizierung (Event Sustainability Management Systems) und das Verbot, Einwegplastiksäcke zu verteilen. So etwas gab es in San Francisco an einem Sportanlass noch nie!

MOD 70 packt das Problem an der Wurzel an

Im Bereich Umweltschutz führend sind hingegen die MOD 70. Bei dieser Bootsklasse flossen umweltschützerische Aspekte bereits bei der Entstehung des Projekts ein. Für die Initianten des Trimarans war Nachhaltigkeit von Anfang an ein zentrales Thema. Beim Bau der Boote wurde sogar die Ökobilanz berücksichtigt. Dabei zeigten sich natürlich die Vorteile einer Einheitsklasse.

Neue Wege gegangen ist die Klasse auch mit der Gründung der Stiftung Multi One Attitude. Dass 10 bis 15 Prozent der Sponsoreneinnahmen für Umweltbelange zur Verfügung gestellt werden, das gab es bisher noch nie. „Wir suchen weitere Finanzierungsquellen“, sagt Anne-Cécile Turner, die Leiterin der Stiftung, „denn wir wollen auf die Dauer autonom funktionieren.“

Zu den Umweltaktionen der Stiftung gehört neben der Erstellung von didaktischem Material für Kinder ein Programm für Messsonden, die in Partnerschaft mit der UNESCO im Meer ausgelegt werden. Ausserdem wird an der Herstellung von nachhaltiger Segelbekleidung in Zusammenarbeit mit einer grossen Marke und an einer umfangreichen wissenschaftlichen Partnerschaft mit der ETH Lausanne gearbeitet. Damit alle Akteure, die irgendwie mit den MOD 70 zu tun haben, in die Umweltanstrengungen eingebunden werden können, wurde für die Etappenstädte der Tour ein Umwelt-Pflichtenheft erstellt. Als hätten die drei Vollzeitangestellten der Stiftung damit nicht schon alle Hände voll zu tun, unterstützen sie zusätzlich diverse Wasserwirtschaftsprojekte.

Woran es auch hier hapert, ist die Nutzung von Synergien mit anderen Grossevents. „Es wurde bisher nichts Konkretes in diese Richtung unternommen“, gesteht die Stiftungsleiterin, „aber es wäre so einiges möglich.“

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Wie der kurze, bei weitem nicht abschliessende Überblick zeigt, engagiert sich auch die Segelszene für Umweltproblematiken. Trotz des guten Willens stossen die Projekte aber alle an ihre Grenzen. Darüber hinaus wird der vor kurzem noch vielgelobte CO2-Ausgleich von Kritikern vorwurfsvoll als Greenwashing abgetan und die Wirksamkeit von Normen wie ISO 14000 oder 20121 angezweifelt. Strandreinigungen sind sicher nützlich, aber angesichts der rund 100 Millionen Tonnen Plastik auf unseren Ozeanen ein Tropfen auf den heissen Stein. Die von der Segelszene getragenen Projekte sind dem Ausmass der Aufgabe schlicht nicht gewachsen. Doch man soll die Hoffnung nicht aufgeben, denn wie heisst es so schön: Kleine Dinge können Grosses bewirken.

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