
Am Freitag erwarteten die Binnensee-Katamarane schwierige Bedingungen. Am Raid de Porquerolles regnete es in Strömen und der Wind erreichte 20 bis 30 Knoten. Antoine Thorens auf TeamWork und Yvan Bourgnon auf Valruz Création gaben sich kämpferisch. © Robin Christol
Die Safram TeamWork M2 Speed Tour 2012 ist eröffnet. 14 aus der Schweiz angereiste Ventilo M2 haben am Auffahrtswochenende vor Hyères ihre beiden ersten Regatten der Saison ausgetragen. Beim Grand Prix de la Méditerranée und dem Raid de Porquerolles zeigte sich das Mittelmeer von den unterschiedlichsten Seiten.
Bertrand Geiser vom Team Parmigiani strahlte nach dem bei Starkwind ausgetragenen Raid übers ganze Gesicht. Begeistert meinte er: „Auf dem Meer zu segeln ist ein aussergewöhnliches Erlebnis. Der Raid war genial, obwohl wir unter den extremen Bedingungen gelitten haben. Gestartet sind wir bei 15 Knoten Wind, am Schluss waren es 30! Auf offenem Meer wirkten die Böen wie Ohrfeigen. Es war die ganze Zeit brenzlig. Aber der Abstecher ans Mittelmeer hat sich gelohnt.“
Die Schweizer Segler haben die Zeit am Mittelmeer optimal genutzt. Am Donnerstag konnten die 14 M2 vier Läufe bei rund zwölf Knoten Wind und strahlendem Sonnenschein austragen. Zwei davon gewann Safram mit dem Multi-Spezialist Jean-Christophe Mourniac am Steuer. Der F18-Weltmeister war beeindruckt: „Ich bin das erste Mal auf einer M2 gesegelt. Das Boot ist ideal, ausserdem haben wir von wunderbaren Bedingungen mit viel Wind profitiert, auch wenn sie während des Raids teilweise ziemlich hart waren. Die Vorwindkurse gestalteten sich schwierig, aber das Team hat ein ausgezeichnetes Niveau. Sowohl das Boot als auch das Projekt sind gut. Der Funke ist sofort übergesprungen. Es war ein ähnliches Feeling wie auf einem Formel 18. In Bezug auf den Druck und die Kraft bestehen grosse Ähnlichkeiten. Die M2 sind eher mit kleinen Katamaranen als mit Décision 35 oder Extreme 40 zu vergleichen. Sie machen sich gut auf dem Meer, bei starkem Wellengang stecken die relativ tief liegenden Träger jedoch oft ein.“
Regatta der Extreme
Am Freitagmorgen erwarteten die Teams strömender Regen, 20 Knoten Wind und ein starker Wellengang. Es waren drei Läufe geplant. Trotz widriger Witterung waren alle 14 Teams zur Stelle. Mit einem 4., 2. und 3. Rang baute Safram ihre Führung aus, doch Charles Favre am Steuer der Spam bot ihr mit zwei Laufsiegen Paroli. Am Nachmittag stand dann als Highlight der Raid de Porquerolles auf dem Programm. Bei hohen Wellen, Kabbelsee und 25 Knoten Wind kam es zu einigen ungewollten akrobatischen Einlagen. Auf dem entfesselten Meer wurde hart gesegelt und mehrmals konnten die Teams ein Kentern ihres Bootes nur um Haaresbreite verhindern. Dabei gingen mehrere Männer über Bord, blieben glücklicherweise aber unverletzt. Spam kam am besten mit diesen extremen Bedingungen zurecht. Wie im Ziel deutlich wurde, hatten die Strapazen bei den Seglern aber Spuren hinterlassen. Eric Meyer zum Beispiel ging gekrümmt und von einer weissen Salzschicht überzogen an Land, hatte aber seinen Spass an der Sache, wie er verriet: „Es war eine fantastische Erfahrung. Tolles Segeln bei tollen Bedingungen. Wir mussten zwar viele Schläge einstecken, aber die M2 sind solide. Auf unserem Boot ist im Training schon alles kaputtgegangen, was kaputtgehen konnte, dementsprechend zuverlässig ist unser Material.“

Yvan Bourgnon: „Mit der M2 habe ich ein fantastisches Boot entdeckt. Es ist einfach zu segeln, solide und schnell.“ © Jean-Guy Python
Mittelmeertüchtige M2
Wie haben die eigentlich eher für Binnenseen gebauten Boote das Mittelmeer-Abenteuer insgesamt überstanden? Diese Frage haben wir Yvan Bourgnon, dem erfahrenen Hochseesegler und Skipper der Valruz Création gestellt. Seine Antwort: „Ich segle seit zwanzig Jahren auf Mehrrümpfern. Mit der M2 habe ich ein fantastisches Boot entdeckt. Es ist einfach zu segeln, solide und schnell. Mit einem Wort: magisch. Auf der M2 zu segeln ist ein völlig verrücktes Gefühl, sie geht ab wie eine Rakete und man segelt fast nie unter 10 Knoten. Das ist Glück pur! Die M2 verhält sich bei Wellen genauso gut wie ein Formel-18-Katamaran oder eine 20-Fuss-Jacht. 30 Knoten gegen Ende des Raids waren dann zugegebenermassen doch zu viel des Guten, man kann mit diesen Booten aber problemlos bei 25-28 Knoten segeln. Das ist schon mal nicht schlecht.“

Akrobatische Einlagen und Wahnsinnstempo waren am Auffahrtswochenende keine Seltenheit. Im Bild: TeamWork bei der Bojenrundung. © Jean-Guy Python
Das Neuenburger Team hatte jedoch keinen leichten Stand und musste hart um seinen Platz im Mittelfeld kämpfen. Das bestätigte auch Bourgnon: „Die Konkurrenz ist gross. Es sind gute Teams darunter, die ihr Boot im Griff haben. Bei diesen beiden ersten Regatten hatten wohl alle Teams ihre Schrecksekunden. Bei uns ist unter dem Druck des Wassers ein Ruder gebrochen. Wir hatten es nicht schnell genug hochgezogen. Letztes Jahr habe ich ein paar Regatten auf der M2 bestritten, um mich mit der Klasse vertraut zu machen, dieses Jahr segle ich die ganze Saison mit dem Team der Valruz Création. Die ersten fünf, sechs der Klasse sind wirklich gut und mit Ernst bei der Sache. Sie segeln seit über fünf Jahren und haben ein hohes Niveau. Bei den M2 wird seriös gesegelt und wie Profis trainiert. Die Schweizer überraschen mich immer wieder. Sie sind hervorragende Segler. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie nächstes Jahr mehrere Grand Prix auf dem Meer austragen.

