Sie segeln seit Anfang Saison in der Mini-Klasse. Haben Sie das Gefühl, dass sie schon Fortschritte gemacht haben?
Ich habe vor allem mein Boot kennengelernt. Durch die vielen Trainings- und Regattastunden fühle ich mich viel wohler als am Anfang. Ich habe das Boot im Griff, im Frühling musste ich mich erst noch mit ihm anfreunden.
Sie segeln seit acht Monaten nur Mini. Deckt sich Ihr Leben als Profi-Hochseeseglerin mit ihren Erwartungen?
Unter dem Gesichtspunkt des persönlichen Einsatzes würde ich sagen ja. Ich wusste, dass es ziemlich hart und vor allem sehr intensiv sein würde. Überraschend sind eher die Resultate. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, schon nach einer Saison so gut abzuschneiden. Insgesamt bin ich deshalb auch zufrieden und ich liebe das, was ich mache.
Sie haben sich als Frau gegen viele Männer durchgesetzt. Bestätigen ihre Ergebnisse, das die Hochseeseglerei für gemischte Teams gemacht ist?
Ich glaube nicht, dass ich als Frau benachteiligt bin, denn entscheidend ist nicht die Kraft. Und auch wenn in bestimmten Situationen oder auf bestimmten Booten der körperliche Aspekt doch einmal wichtig ist, dann gibt es genügend Möglichkeiten die Kraft mit anderen Qualitäten wettzumachen. Die Frage nach gemischten Teams erledigt sich aber ohnehin von selbst, denn es gibt nicht genügend Frauen, die an Hochseeregatten teilnehmen, um eine separate Rangliste zu erstellen. Gemischte Teams sind eine Tatsache, denn für Frauen gibt es keine andere Möglichkeit, als mit Männern zu segeln.
Sie arbeiten seit ihren Anfängen in der Mini-Klasse mit einer Organisation und einem Trainer. Ist eine solche Methode unerlässlich, wenn man heute Erfolg haben will?
Vielleicht ist es auch ohne möglich. Wenn man schnell aufsteigen will, halte ich ein solches Vorgehen aber für unumgänglich. Die Arbeit mit einem Trainer und der Austausch mit anderen Seglern und Seglerinnen helfen, viele Dinge schneller zu verstehen. Die Fortschritte stellen sich unweigerlich schneller ein, als wenn man allein oder weniger strukturiert arbeitet. Man braucht nur die Resultate anzuschauen. Die Bestplatzierten sind alle Mitglieder eines Pools. Die Mini-Klasse ist professioneller geworden, sie ist keine Spielwiese für Abenteurer mehr. Um Erfolgsaussichten zu haben, führt nichts an solchen Strukturen vorbei.

Justine lässt ihrer Freude freien Lauf: Sie ist nach 10 Tagen als Siegerin bei den Serienbooten in Horta (Azoren) eingetroffen. © Christophe Breschi/TeamWork
Geht da der berühmte „Mini-Geist“ nicht etwas verloren?
Nein, wirklich nicht. Das ändert überhaupt nichts. Die Stimmung ist noch immer genauso einzigartig. Bei den Zwischenstopps hilft jeder jedem, wir bilden eine Gemeinschaft. Wir sind rund zehn Profisegler und das Verhältnis mit den Amateurseglern ist genau gleich wie unter den Profis. In diesem Punkt ist die Mini-Klasse wirklich genial.
Denken Sie nach diesen ersten, überzeugenden Erfahrungen bereits daran, was Sie nach der Transat 6,50 2013 machen werden?
Nein, überhaupt nicht. Ich konzentriere mich auf dieses Ziel. Damit habe ich genug zu tun, ich will mich nicht ablenken lassen. Ich gehe eine Sache nach der anderen an.
Wie sieht Ihr Programm bis zu dieser Transat aus?
Nach Les Sables–Les Açores–Les Sables werde ich weiter in Lorient trainieren. Im Oktober ist noch eine Trainingseinheit mit unserem Coach Tanguy Le Glatin geplant. Das Winterprogramm steht noch nicht endgültig, ich werde aber bestimmt eine Ruheperiode einlegen, bevor ich die Regatten wieder aufnehme. Der Kalender für 2013 wird erst im Januar veröffentlicht. Einige Klassiker wie das Open Demi-Clé, das Select, die Trophée MAP, das Mini-Fastnet und die Transgascogne stehen aber schon jetzt fest. Die Transcagogne wird die längste Regatta vor der Transat 6,50 im Herbst 2013 sein.

Als Mitglied des Hochseesegler-Pools von Lorient trainiert Justine Mettraux seit dem Winter 2011/2012 intensiv mit den besten Mini-Seglern. © Stéphanie Gaspari/TeamWork
Sie haben seit der ersten Einwasserung der TeamWork im letzten Winter keine Pause gemacht. Sind Sie nach einer so vollgepackten Saison nicht müde?
Ich freue mich schon, etwas Zeit für mich zu haben. Ich habe seit acht Monaten sechs Tage die Woche für das Segeln investiert, die Regatten nicht mitgerechnet. Es wird gut tun, an etwas anderes zu denken. Müde bin ich aber trotzdem nicht wirklich, die Regatten habe ich bisher gut verkraftet.
Würden Sie uns zum Abschluss verraten, was Sie antreibt und motiviert, Regatten zu gewinnen?
Das ist schwierig zu erklären. Ich mag es, mein Boot bestmöglich zu steuern und dabei das Gefühl zu haben, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Das ist mir wichtiger als zu gewinnen und vor den Konkurrenten zu sein. Die Art, wie ich segle ist mir wichtiger als das Ergebnis. Ich glaube aber auch, dass diese Einstellung Früchte trägt und leistungsfördernd wirkt.
