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Jungstar Girod zeigt Glaus den Meister

von Quentin Mayerat

© Martin Kobel

Eigentlich hatte man sich auf eine Revanche des Duells vom Vorjahr zwischen Eric Monnin und Arnaud Psarofaghis gefreut. Damals hatte Monnin den Surprise-Meistertitel den erfolgsgewohnten Genfern entrissen und in die Zentralschweiz entführt. Nachdem die beiden diesen Sommer gemeinsam Onyx-Klassenmeister geworden waren, hätte man sie natürlich gerne wieder einmal gegeneinander segeln gesehen. Daraus wurde aber nichts. Beide waren in andere Projekte involviert und nahmen deshalb nicht an der Surprise-Schweizermeisterschaft teil, ebenso wenig wie einige Akteure des CER (Centre d’Entrainement à la Régate), die nach der Tour de France à la Voile und den 5 Jours du Léman eine Wettkampfpause eingelegt hatten.

Mordicus – Girod Piscines: mit defensiver Starttaktik im letzten Lauf zum ersten Schweizermeistertitel. © Martin Kobel

Aber immerhin waren 26 Crews aus vier Ländern Ende August an den kleinen Murtensee gereist. Trotz der Absenzen waren noch genügend Topteams dabei, um Regatten auf hohem Niveau zu gewährleisten, wie man sie in der Surprise-Klasse gewohnt ist. Zu den grossen Favoriten zählten dabei Routinier Michel Glaus auf Teo Jakob und Jungstar Patrick Girod auf Mordicus – Girod Piscines. Obwohl beide im Vorfeld ihre Favoritenrolle abstritten, zeigte schon ein Blick auf die Jahresrangliste der Trophée Voiles Gauthier, dass sie wohl die grössten Chancen auf den Titel haben würden.

Warten auf Wind

Doch mit Segeln wurde vorerst einmal nichts. „Wir hatten die ganze Woche Wind, bis am Donnerstagmittag, als die SM losgehen sollte. Da kam die grosse Flaute“, klagte Dietmar Friedli, der Präsident des Organisationskomitees. Die Regattaleitung schickte die Regatteure am ersten Tag gar nicht aufs Wasser und auch freitags zeigte Äolus keine Gnade. Es gab zwar einen Startversuch, etwas Zählbares schaute aber nicht heraus. Es blieb einzig die Hoffnung auf Wind mit dem vorhergesagten Wetterumschwung zum Wochenende.

© Martin Kobel

Das erste, was am Samstagmorgen einsetzte, war die Sturmwarnung. Die Vorfreude auf Wind bekam aber während des Auslaufens erst einmal eine kräftige Dusche, denn statt Wind gab es heftige Blitze, Donner und Regen wie aus Kübeln. Erst am Nachmittag ging es dann für die durchnässten Regatteure zur Sache. Nach dem Durchzug der Front kam endlich Wind auf und Wettfahrtleiter Banz Vonlanthen konnte einen Lauf nach dem andern anschiessen. Die drehenden Winde machten es den Regatteuren aber nicht einfach. Am Samstagabend zehrten nicht nur die fünf anstrengenden Wettfahrten an der Substanz der Teilnehmer. Für Verstimmung sorgte auch der Entscheid der Jury, dass bei Schwimmwestenobligatorium eine Kragenweste getragen werden muss. Vielleicht müsste Swiss Sailing hier einmal einen offiziellen Entscheid fällen, welche Klassen denn wirklich unter den Begriff Sportboote fallen und damit Jollenwesten anziehen dürfen. Glücklicherweise kam es dann wegen eines Formfehlers doch zu keinen Disqualifikationen.

Duell Glaus-Girod

Die Favoriten liessen sich durch Blitz und Donner nicht beeindrucken und wurden ihrer Rolle tatsächlich gerecht. Nach den ersten vier Wettfahrten hatten Glaus und Girod mit völlig identischen Rangpunkten (1/3/4/4) die Führung im Klassement übernommen, bevor der routinierte Glaus den jungen Girod im letzten Lauf vom Samstagabend noch um fünf Plätze distanzierte.

Teo Jakob: musste nach Frühstart unter Blackflag die Titelambitionen begraben. © Martin Kobel

Spannung für den Schlusstag war also gewiss. Die Regattaleitung versuchte ohne Blackflag zu starten, was sie aber schnell bereute. Es folgte ein Massenfrühstart unter schwarzer Flagge. Unter den schwarzen Schafen befand sich leider auch Glaus, der sich den einzigen gültigen Lauf am Sonntag anschliessend als Zuschauer ansehen musste. Bitter für ihn, denn bei den zwei abgeschossenen Wettfahrten hatte er in Führung gelegen.

Damit war der Weg frei für Girods ersten Meistertitel, den er mit einem Sieg im Schlusslauf auch souverän einfuhr. „Bei uns hat einfach alles gestimmt“, meinte ein überglücklicher Sieger. „Es ist auch ein Sieg der Jugend. Wir haben ausgerechnet, dass unser Team insgesamt 120 Jahre jünger ist als die Crew der Teo Jakob von Glaus. Ich hoffe, der Titel hilft auch, mich bekannter zu machen und neue Sponsoren für mein Mini-Transat-Projekt zu finden.“

Surprise mit Zukunft

Glücklich zeigten sich auch Daniel Rinolfi, Präsident der Surprise-Klasse, und die charmanten Gastgeber vom Segelclub Murten. Obwohl die Surprise nun doch langsam in die Jahre kommt, sieht Rinolfi für die Zukunft keine Probleme: „Es ist die Flottengrösse, die die Attraktivität der Surprise ausmacht. Auf dem Genfersee sind 600 Einheiten stationiert und damit sind auch bei lokalen Regatten immer viele Boote am Start. Dazu bleibt die Surprise ein erschwingliches Boot mit einfacher Logistik.“ Dass sich der Erfolg der Surprise nicht nur auf den frankophonen Raum beschränkt, zeigte die Teilnahme der österreichischen Teams an der SM. Auch am Achen- und am Wörthersee gibt es lokale Surprise-Regatten und die Schweizermeisterschaft zählte sogar zu den Schwerpunktregatten des Landesverbandes.

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