Monaco versteht es grandiose Feste zu feiern. Die Monaco Classic Week wurde 1994 anlässlich der 10-jährigen Präsidentschaft des Fürsten Albert II. vom Yacht Club ins Leben gerufen. Ich gehörte zu einer kleinen Arbeitsgruppe, dem der Generaldirektor des Yacht Club de Monaco Bernard d’Alessandri vorstand und die den ganzen Winter 1993/1994 damit beschäftigt war, die Geschichte des monegassischen Yachtsports zu recherchieren. Bei der Einsicht der offiziellen Archive sowie der Archive der Société des Bains de Mer wurde uns schnell klar, dass das Fürstentum schon seit jeher eine beliebte Anlegestelle für königliche Yachten war. Unbestrittener Höhepunkt war lange Zeit das 1905 gegründete Motorboot-Meeting. Es wurde eingeführt, weil die Autorennen wegen zu vieler tödlicher Unglücke verboten wurden und die Auto- und Flugzeugmotorenhersteller nach einer Möglichkeit suchten, ihre neuen Modelle zu präsentieren. Mit der Erfindung der Verbrennungsmotoren entwickelte sich die Technologie um die Jahrhundertwende rasant weiter. Die Hersteller hatten die geniale Idee, diese Motoren wassertauglich zu machen und in Boote, bzw. Wasserflugzeuge einzubauen. Parallel zur gross angelegten Präsentation an Land sollten Demonstrationsfahrten und -flüge sowie Rennen auf dem Wasser veranstaltet werden. Jetzt galt es nur noch einen Ort zu finden, der sowohl ein geeignetes Gewässer als auch die nötigen Infrastrukturen besass, um die potenziellen Kunden, Industriellen, vermögenden Privatleute und Kriegsminister, die an der Messe ihre Einkäufe tätigten, gebührend zu empfangen. Und welche Stadt bot sich da besser an als Monaco? Wer würde es ablehnen, sich im Winter an einem Ort aufzuhalten, in dem alles auf Genuss ausgerichtet ist? Das Motorboot-Meeting hatte so grossen Erfolg, dass es bis 1954 durchgeführt wurde und sich zu einem prestigeträchtigen sportlichen Wettkampf mauserte. Die Monegassen scheuten auch wirklich keine Mühe, sie gruben sogar einen Tunnel, damit die Motorboote, die von Paris auf Eisenbahnwagen nach Monaco transportiert wurden, direkt am Hafen abgeladen werden konnten. Damit wurden auch die Strassen von den sperrigen Pferdewagen befreit. Obwohl sich dieses Meeting auf Motorboote konzentrierte, spielte es für die heutige Monaco Classic Week doch eine nicht unbedeutende Rolle. Segelregatten werden im Fürstentum bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts ausgetragen, wobei die Sonntage ausschliesslich den Wettfahrten der Fischerboote vorbehalten waren. Auch Motoryachten haben in Monaco Tradition. Fürst Albert I. besass mehrere Exemplare, die er für seine ozeanografischen Expeditionen einsetzte und alle auf den Namen Hirondelle taufte. Stefano Casiraghi schenkte seiner Frau Prinzessin Caroline die wunderschöne Pacha III, die im Auftrag des Automobilherstellers Louis Renault 1936 gebaut wurde, und setzte damit die Tradition der Fürstenfamilie fort. All diese Traditionen gipfelten in der Gründung der Monaco Classic Week. Sie hat bereits etliche festliche Anlässe, wie die 700-Jahr-Feier des Machtantritts durch die Familie Grimaldi, gekrönt, unzählige Segelstars empfangen und geehrt und ein knallrotes Ferrari-Motorboot mit dem berühmtem Emblem des sich aufbäumenden Pferdes knatternd über das Wasser flitzen gesehen. Alle zwei Jahre ist Monaco Hochburg der schwimmenden Oldtimer, bei dem sogar das dumpfe Dröhnen der Dampfschiffe nicht fehlt und die Tuiga Gelegenheit hat, sich an würdigen Gegnern zu messen.
Die Ausgabe 2005
Beim Presseessen im Yacht Club am 8. Juni 2005 wurde klar, dass Monaco auch dieses Jahr wieder für eine unvergessliche Veranstaltung sorgen würde. Als Partner der Monaco Classic Week präsentierte die hochkarätige Schweizer Uhrenmarke Hublot einen speziell für den Anlass und in limitierter Serie hergestellten Chronographen. Weiterer Höhepunkt: Ein Aufeinandertreffen der Tuiga (1909) und der Wally Dangerous but Fun (2004). Die Journalisten standen dicht gedrängt an Bord der Boote, doch der sportliche Kampf blieb aufgrund des fehlenden Windes aus. Immerhin reichte er für eine gemütliche Spazierfahrt. Attraktionen gab es jedoch auch sonst genug. Sehnlichst erwartet wurden u.a. die Rückkehr der J-Class, die zahlreichen Riva, die 10-Jahres-Feier der Tuiga als Flaggschiff des YCM und der zur Feier herausgegebene Bildband über die 15mR sowie die Anwesenheit des Ausnahmeskippers Dennis Conner. An einem Galaabend im Hotel Hermitage wurden Carlo Riva als „Yachtman des Jahres“ und der Wahlmonegasse Jean-Michel Folon geehrt. Letzterer ist inzwischen leider verstorben und hatte kaum Gelegenheit von seiner klassischen, in der Werft Mondomarine in Savona restaurierten Motoryacht Over the Rainbow zu profitieren. Ein ganz besonderes Ereignis war auch die Ankündigung der neuen „Belle Classe“, ein Club für Eigner grosser Schiffe und ein paar angesehene Akteure der klassichen Segelszene, denen der Yacht Club von Monaco bei ihrem Aufenthalt im Fürstentum gewisse Privilegien gewährt.
Die ehemalige Prinzenyacht Moonbeam IV, die J-Class und andere Klassiker
Der Fife-Yacht Moonbeam IV wird in Monaco stets besondere Aufmerksamkeit geschenkt, denn sie stand von 1950 bis 1955 im Besitz von Fürst Rainier. Er hatte sie in einen Ketsch umbauen lassen und an Deck ein Roof hinzugefügt, in dem er eine wunderschöne Kabine einrichten liess. Zwar hatte die veränderte Yacht nicht mehr viel mit dem Racer gemeinsam, der einst der Britannia das Leben schwer machte, doch eignete sie sich in der neuen Aufmachung hervorragend für die zahlreichen Mittelmeertörns des monegassischen Staatsoberhauptes. Bei den letzten Winter durchgeführten Optimierungsarbeiten stellte sich heraus, dass Fife für die Yacht zwei Verwendungszwecke vorgesehen hatte: Sie sollte sowohl als Kreuzer als auch als Racer eingesetzt werden können, wobei der Ballast für Regatten neun Tonnen höher war. Diese neun Tonnen wurden erst kürzlich hinzugefügt, um die Krängung am Wind zu verringern und im Hinblick auf mehr Tempo die benetzte Oberfläche zu verkleinern. Mit Spannung erwartet wurden in Monaco die drei J-Class Velsheda, die Unbezwingbare (mit einem Karbonrigg und 3DLSegeln!), Shamrock V, die Kopie der Ranger sowie die beiden 23mR Astra und Cambria, die in den frühen Dreissigern so verändert wurden, dass sie in der gleichen Kategorie wie die J-Class starten können. Fünf aussergewöhnliche Einheiten! Einzig die Ranger weist ein paar Schönheitsmängel auf. Schade eigentlich, denn es wäre interessant gewesen, das Siegerboot des auf J-Class-Yachten gesegelten Cups von 1937 in seiner ganzen Pracht wieder auferstehen zu sehen. Die Ranger kann auf eine ereignisreiche Geschichte zurückblicken. 1934 war Harold Vanderbildt auf der Starling Burgess Rainbow nur knapp an einer Niederlage vorbeigeschlittert. Das gegnerische Boot, die britische, von Charles Nicholson entworfene Endeavour, war eindeutig schneller. Dass der Amerikaner schlussendlich doch noch den Sieg davontrug, verdankte er nur der Qualität seiner Crew und den schnellen Manövern. Er wollte das Glück jedoch kein zweites Mal herausfordern und bat den jungen amerikanischen Designer Olin Stephens, der 1931 mit seiner Dorade an der Fastnet bereits die Engländer gedemütigt hatte, zusammen mit seinem Bruder Rod und mit Starling Burgess die neue Defender-Yacht zu zeichnen. Die Ranger, die schnellste Slup aller Zeiten, war geboren. Sie gewann die Ausscheidungsrennen der Challenger ohne einen einzigen Lauf abzugeben und verwies in gleicher Manier auch den britischen Challenger Endeavour II in die Schranken. „In England können wir hervorragende Rümpfe herstellen, aber wir haben niemanden, der in der Lage ist, die Riggs und die Feineinstellungen von Rod Stephens zu übertreffen“, meinte Charles Nicholson entmutigt, aber ehrlich. Obwohl laut Reglement nur Yachten mit 25 m Länge und mehr zugelassen sind, stellten wir am 13. September erfreut fest, dass eine Ausnahme gemacht wurde und auch kleinere Boote mit von der Partie waren, wie die Oriol, eine NYYC 11, oder die Pesa, ein 15,73 m grosser Gaffelkutter aus dem Jahr 1911, der für Regatten gebaut wurde und einen nur gerade 2,94 m schmalen Hauptspant besitzt. Die Pesa ist eine der 55 vor 1914 in Europa gebauten 10mR und eine der zwölf Einheiten des grossen deutschen Architekten Max Oertz. Sie gewann die Kieler Woche 1911 und die Deutsche Meisterschaft 1912. 1995 wurde sie von Jean-Yves Roubinet wiederentdeckt und restauriert. Sie ist dem Original in vielen Punkten sehr ähnlich und besitzt noch immer ein Steuer aus Pinienholz und einen hellen Spruce-Mast. Die Übereinstimmung mit dem Original geht sogar so weit, dass die Pesa noch immer mit einer Baumwoll-Genua von Ratsey aus dem Jahr 1936 getakelt ist! Ihr Eigner Jean-Yves Roubinet war ungemein stolz, dass es ihm gelungen war, die Tuiga und die Mariquita zu besiegen. Die Starkwindbedingungen kamen ihm dabei natürlich sehr zu Gute, denn die Pesa fühlt sich bei viel Wind besonders wohl und konnte alle Segel oben lassen, während ihre Rivalinnen die Segel reffen mussten. Er lobt seine Yacht denn auch in den höchsten Tönen: „Die Pesa hat mich bisher noch nie enttäuscht und hat mir vor allem bei Regatten nur Freude bereitet. Und obwohl ich die Zeichnungen von Fife aus den Jahren vor 1914 bewundere, freue ich mich doch diese Yacht von Max Oertz als Zeuge der Vielfalt unseres maritimen Erbes, zu denen auch die Boote von Mylne, Watson, Herreshof, Alden, Caillebotte und Godinet gehören, zu fördern. Ich betrachte mich deshalb auch nicht als Eigner der Pesa, sondern als privilegierten Treuhänder eines bald hundertjährigen Erbes.“ An zweite Stelle segelte in Monaco die Tuiga, gefolgt von der Mariquita, die gleichzeitig auch den Pokal der Classic Week gewann, indem sie den „Concours d’Elegance“ und den „Concours de la Restauration et du Patrimoine“ für sich entschied.
Motoryachten: schwimmende Paläste
Zusammen mit dem monegassischen Fürstenboot Pacha III waren an der Classic Week 2005 fünf Motoryachten zugegen, wobei die Over the Rainbow die Gemüter sicherlich am stärksten bewegte. Sie hatte dem verstorbenen Jean-Michel Folon gehört, dessen Atelier den Quai Antoine 1er überragte und der es liebte, seinen Besuchern in seinem zerknittertem Leinenanzug das Schiff zu zeigen. Die Over the Rainbow wurde im walisischen Bangor bei A.M. Dickie & Sons gebaut und 1930 als Janetha IV eingewassert. Im Krieg wurde sie von der Royal Navy unter dem Namen Gomax als Patrouillenboot eingesetzt. Sie soll beim Rückzug vor Dunkerque als Little Ship zum Einsatz gekommen sein, um die britischen Truppen zu den grossen Kriegsschiffen zu bringen. Als eines der wenigen Boote aus dieser Zeit ist die heutige Over the Rainbow mit einem Teak-Rumpf und einem Spantwerk aus Eiche ausgestattet, wodurch sie über eine ausgezeichnete Wärme- und Schallisolation verfügt. Ausserdem zeichnet sich die 33,80 m lange Motoryacht durch extrem ausgeglichene Linien aus. Zur Zeit wartet das schwimmende Juwel im Hafen von St. Tropez auf einen neuen Eigner. An seiner Seite dümpelte die Mabrouka, ein Camper & Nicholson aus Holz mit Jahrgang 1926 und einer Länge von 18,40 m. Sie wurde 1993 zum historischen Monument erklärt und segelt als einer der wenigen Schiffe dieser Art unter französischer Flagge. Die Mabrouka ist seit mehreren Jahrzehnten am Mittelmeer zu Hause, wurde jedoch in La Rochelle am Atlantik restauriert. Da sie nach dem Krieg von der britischen Regierung gekauft und mit zwei neuen Motoren ausgestattet wurde, nahm man an, dass auch sie als eines der 650 Little Ships gedient hatte. Bisher konnte diese Vermutung allerdings nicht belegt werden. Gerüchten zufolge soll die Mabrouka mehrere namhafte Eigner gehabt haben, darunter Sir Lawrence Olivier und sogar Lawrence von Arabien. An diesen Mutmassung ist allerdings nichts Wahres. Zwar wurde die Yacht für einen gewissen Oberst Lawrence gebaut, der hatte jedoch nichts mit dem charismatischen Helden aus dem Mittleren Osten gemeinsam. Der Mabrouka gegenüber, auf der anderen Seite des Pontons, scharte sich die Menge um die ebenfalls 18 m grosse Yacht Seaway; ihr Eigner, ein Weingutbesitzer, hatte an Bord eine Degustation organisiert. Am Yacht-Club-Abend hatten die Gäste die einmalige Gelegenheit die Yachten genauer zu besichtigen. Crew und Kapitän begrüssten die interessierten Besucher und zeigten ihnen nicht nur das Deck, sondern auch das Interieur. Eine geniale Idee, die grossen Anklang fand!
Clou der Show war unbestritten die SS Delphine, ein 1921 für den amerikanischen Automobilhersteller Horace Dodge gefertigter, 79 m langer Dampfer mit fünf Decks. Wie alle Ausnahmeyachten hat auch die Delphine eine bewegte Geschichte. In jungen Jahren fuhr der grösste Dampfer der Welt die Familie Dodge und ihre Gäste auf Kreuzfahrten von der amerikanischen Ostküste bis nach Florida. Der erfolgreiche Sportbootfahrer Horace Dodge hatte den Antrieb selbst entwickelt, denn er wollte eine schnelle Yacht mit ausreichend Kraftreserven. Die Delphine wurde mit einem weltweit einzigartigen Dampfsystem ausgestattet, das aus zwei aneinander gekoppelten 1500PS-Motoren mit Vierfachexpansion bestand. Drei heizölbetriebene Röhrenkessel sorgten für die Dampfproduktion.
Obwohl das System dank der sorgfältigen Wartung durch einen Fachmann noch immer funktionierte, wurde es kürzlich durch zwei neue Heizkessel ersetzt. 1942 wurde die SS Delphine von der US Navy beschlagnahmt, in USS Dauntless umgetauft und mit Flugabwehrbatterien ausgestattet. Als Patrouillenschiff wurde sie der Eskorte der amerikanischen Atlantikflotte zugeteilt, bevor sie in die Geschichte einging. Präsident Franklin Roosevelt soll an seinen Wochenenden auf dem Potomac an Bord der Delphine zusammen mit seinem Premier Harry Truman, Winston Churchill, dem sowjetischen Aussenminister Molotow und anderen internationalen Politikern die Konferenzen von Jalta und Teheran vorbereitet haben. Das Geheimnis wurde jedoch so gut gewahrt, dass diese Zusammenkünfte bis heute nicht offiziell bestätigt wurden. 1946 kaufte die Familie Dodge der US Navy die Delphine, die noch immer den Namen Dauntless trug, ab. Ab 1967 wechselte sie mehrmals den Besitzer und gehörte vorübergehend der Marineschule von Piney Point sowie mehreren Kreuzfahrtgesellschaften. In Malta nahm der langsame Verfall der Delphine seinen Anfang, ein Schicksal, das viele klassische Yachten ereilte. Im Dezember 1993 kam die Delphine nach Marseille, 1997 wurde sie von einem belgischen Industriellen erworben, per Anhänger nach Brügge transportiert und dort komplett restauriert. Vor zwei Jahren feierte sie in ihrem neuen Heimathafen Monaco ihr grosses Comeback.