
© Guido Cantini
Wie jedes Jahr seit 1996 trafen sich in Antibes zum Saisonauftakt Vintage-Jachten (gebaut vor 1950), Klassiker (gebaut vor 1976), Boote im Retrodesign und Meterklassen. An diesem Schaulaufen der auf Hochglanz polierten, liebevoll gepflegten Oldtimer gab es eigentlich nur einen grossen Abwesenden: den Wind. Wenn er sich dann doch einstellte, gab er sich launisch, wie Yann Joannon betonte. „Besonders kompliziert war der erste Tag mit Böen und einem seltsamen Hochdruckgebiet. Trotzdem konnten wir drei von vier geplanten Rennen durchführen“, sagte der Direktor der Voiles d’Antibes erleichtert. Der Windmangel und die Absage sämtlicher Regatten am Samstag taten dem Erfolg der Veranstaltung aber keinen Abbruch. Entsprechend positiv äusserste sich auch der Direktor über diese 19. Ausgabe: „Wir können eine sehr positive Bilanz ziehen. Wetterkapriolen gehören dazu, Segler sind daran gewöhnt. Alle waren zufrieden und die Schlussrangliste ist gerecht, denn sie basiert nicht nur auf einem oder zwei Läufen.“ Nicht alle Konkurrenten waren zudem unglücklich über die schwachen Winde. „Sie kamen den kleinen, leichten Booten zugute. Die grösseren Einheiten hatten das Nachsehen“, so Joannon weiter. Vor dem letzten Regattatag führte die Moonbeam IV das Gesamtklassement an. Die ehrwürdige alte Dame, die am 4. Juni ihren 100. Geburtstag gefeiert hatte, musste den Sieg bei den Big Boats aber schliesslich doch noch an die Schweizer Jacht Mariska abgeben. In der Kategorie „Esprit de Tradition“ der auf alt getrimmten Boote setzte sich Freya an die Spitze, bei den Vintage-Jachten („Yachts d’Epoque») gewann Tomahawk. Die Kategorie der Classic Yachts entschied die Sagittarius für sich.
Schweizer gut im Rennen
Es mischten auch mehrere Boote unter Schweizer Flagge mit. Mariska, die 15-Meter-Siegerjacht des Schweizers Christian Niels mit Baujahr 1908, wurde erstmals von Lionel Péan gesteuert. Auch er bedauerte die Schwachwindbedingungen: „Am Samstag konnten wir deswegen nicht segeln. Auch sonst reichte der Wind gerade aus, damit das Boot sein Potenzial beweisen konnte. Wir haben uns unseren Weg zwischen den Windstössen gebahnt.“ Nach einem schwierigen Freitag fing sich Mariska wieder und zeigte am Sonntag ihre ganze Klasse. „Am Freitag gab es ausreichend Wind, wir haben allerdings zweimal bei den Manövern gepatzt“, erklärte der Skipper. „Es war unser schlechtester Tag. Am Sonntag haben wir dann aber gewonnen. Unser Reeder und das Team haben sich riesig gefreut. Ich bin zufrieden, denn ich hatte das Boot noch nie zuvor gesteuert.“ Christian Niels, der an dem Klassikertreffen zu den Stammgästen gehört, frohlockte: „Die Boote sind extrem gut vorbereitet und das Teilnehmerfeld wird jedes Jahr hochklassiger. Das Geschehen auf dem Wasser war windbedingt nicht immer sehr spannend, trotzdem lieferten sich die Big Boats tolle Duelle. Alle Teams haben ihr Bestes gegeben. Ich konnte nur am Donnerstag und am Sonntag mitsegeln, aber beide Male haben wir gewonnen. Normalerweise nehme ich an allen Regatten teil. Ich liebe es, hier zu segeln. Wenn ich mich neben dem Circuit der 15-Meter-Jachten für eine Regatta entscheiden müsste, wäre sie ganz klar in Antibes.“ Dieses Jahr wird Mariska in Monaco, Cadix, Portofino und Saint-Tropez anzutreffen sein. Mariquita, der majestätische 19-Meter-Gaffelkutter aus dem Jahr 1911, belegte bei den Big Boats den siebten Rang.

© Guido Cantini
Für ein weiteres hervorragendes Schweizer Ergebnis sorgte die Oiseau de Feu in der Kategorie der Marconi-Jachten EMB. „Ich komme an die Voiles d’Antibes, seit ich die Oiseau de Feu vor sieben Jahren gekauft habe. Es ist ein wunderbarer Anlass. Die Stimmung hier ist hervorragend und es geht sowohl an Land als auch auf dem Wasser sehr gesellig zu und her. Ausserdem ist das Regattarevier optimal für uns, denn entweder weht viel oder nur sehr wenig Wind“, sagte Jean-Philippe L’Huillier, dem die Oiseau de Feu gehört. Sie fand sich bei den Schwachwindbedingungen gut zurecht und klassierte sich punktgleich mit der Eileen auf Rang 2. Für den Eigner ein aussagekräftiges Resultat: „Dieser Platz spiegelt die Realität auf dem Wasser wider und deshalb sind wir auch zufrieden. Der Wind war verdreht und wirklich sehr speziell. Er kam den Schweizer Seglern aber gelegen, denn sie sind solche Verhältnisse vom Genfersee gewöhnt. Man musste mit den Windstössen segeln“, erklärte er und betonte: „Oiseau de Feu ist eine hervorragende Fahrten- und Regattajacht.“ Dieses Jahr nimmt sie nicht am Circuit in Italien und Spanien teil. „Wir machen eine Pause, sind dann aber an der Corsica Classic wieder zurück. Anschliessend knüpfen wir mit der Imperia, dem Juris’ Cup, den Régates Royales in Cannes und den Voiles de Saint-Tropez an.“ Zu vermerken ist zudem das gute Abschneiden der Comet bei den Marconi-Jachten EMC (7.) und der Scherzo in der Kategorie Spirit of Tradition (6.).

Mariska, Siegerin der Kategorie Big Boats © Guido Cantini
Die Panerai Classic Yachts Challenge feiert ihren 10. Geburtstag
Officine Panerai begeht dieses Jahr ihre zehnjährige Partnerschaft mit dem klassischen Segelsport. Ein Jahrzehnt im Zeichen der Leidenschaft für das Meer und der Schönheit und Geschichte der Traditionsjachten hat die Panerai Classic Yachts Challenge zur wichtigsten internationalen Regattatour historischer Boote gemacht. „Die ersten zehn Jahre sind wie im Flug vergangen“, sagt Angelo Bonati, CEO der Uhrenmanufaktur. „Wir haben gut gearbeitet und hatten dabei viel Spass. Unser Engagement im klassischen Segelsport macht uns grosse Freude. Dieses 10-Jahr-Jubiläum ist aber nur eine Etappe, wir werden den Circuit auch weiterhin unterstützen.“ Zur Feier des runden Geburtstags umfasst die Panerai Classic Yachts Challenge dieses Jahr erstmals elf Stationen, sechs davon im Mittelmeer.

80 Boote haben die Saison der klassischen Boote in Antibes eröffnet. © Guido Cantini