
Die Transat ist mit viertägiger Verspätung bei mittelmässigen, für die 44 Teams aber gerade noch akzeptablen Bedingungen gestartet. Sébastien Josse und Charles Caudrelier haben das Ziel in Itajai (Brasilien) am 18. November nach 11 Tagen, 5 Stunden, 3 Minuten und 54 Sekunden erreicht. © Jean-Marie Liot
Die Transat Jacques Vabre, Route du Café oder TJV für Insider, gehört zusammen mit der Vendée Globe und der Route du Rhum zu den drei wichtigsten französischen Offshore-Events. Ein Sieg geniesst zwar nicht ganz so viel Ansehen wie ein Podestplatz an den beiden anderen Regatten, trotzdem hat die Transat im Kalender der meisten Hochseesegler einen festen Platz. Sie verdankt ihre Beliebtheit nicht zuletzt dem besonderen Format: Die TJV wird zweihand und in verschiedenen Bootsklassen gesegelt und macht in atypischen Zielhäfen Halt. Franck Cammas und Stève Ravussin, Roland Jourdain und Paul Vatine und auch die Bourgnon-Brüder konnten an der Transat schon Erfolge feiern.

Auch wenn die IMOCA die Stars der TJV 2013 bleiben, sind die Class 40 mit 25 Einheiten doch stärker vertreten. © DR
Dass dieses Jahr erneut 44 Teams am Start waren (der Rekord wurde 2007 mit 60 Booten aufgestellt), hat die führende Stellung der Regatta weiter gestärkt. Mit einer solchen Beteiligung steht die TJV ziemlich allein da. Und auch ihre Langlebigkeit ist aussergewöhnlich. Viele Offshore-Rennen haben nur kurze Zeit überdauert. The Transat, die älteste Einhand-Regatta, wurde 2008 eingestellt. Die Organisatoren versprechen zwar ein Comeback für 2016, ob es sich aber tatsächlich verwirklichen lässt, muss sich erst noch zeigen. La Baule-Dakar hat nur dreimal stattgefunden, genauso wie das doppelte Atlantikrennen Lorient-Bermudas-Lorient und Lorient-St. Barth-Lorient. Für die Route de l’Or kam sogar schon nach der Premiere das Aus. Viele andere angekündigte Events wurden aufgrund fehlender seriöser Partner oder wegen mangelndem Interesse von Seiten der Segler gar nicht erst lanciert.

Die Docks von Le Havre haben im Lauf der letzten 20 Jahre ein neues Outfit erhalten. Aus der stillgelegten Industriezone ist ein ganzjährig gut besuchter, moderner Begegnungsraum für die Stadtbewohner geworden. © DR
Das Erfolgsrezept
Dieser Erfolg komme nicht von ungefähr, betont Clotilde Bednarek, Marketingleiterin bei Mondeléz France (Eigentümerin der Marke Jacques Vabre) und Finanzchefin der Vereinigung Transat Jacques Vabre. Vielmehr baue er auf einem starken personellen Engagement auf, das durch zwei historische Partnerschaften, der einen mit Jacques Vabre, der anderen mit der Stadt Le Havre, materialisiert werde. „Wir tun viel mehr, als nur den Event zu sponsern, wir produzieren ihn und er liegt uns deshalb auch sehr am Herzen. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist das Zweihandformat.“ Die MOD70 hatten die Organisatoren übrigens um eine Sondergenehmigung ersucht, um im Team segeln zu können. Diese wurde aber abgelehnt, was objektiv gesehen auch logisch und konsequent erscheint. Es wäre schwierig gewesen, der Öffentlichkeit glaubhaft zu erklären, dass ein Teil der Flotte nach anderen Regeln segelt. Das bestehende Format erlaubt die unterschiedlichsten Kombinationen und wird von den Seglern sehr geschätzt. So können beispielsweise zwei Stars ein Boot steuern, ein Topsegler kann mit einem Nachwuchssegler ein Team bilden oder ein erfahrenen Skipper mit einem Spezialisten, von dem er Neues lernen kann. Auch dieses Jahr haben die sehr unterschiedlichen Paarungen gezeigt, dass das Format allgemein gut ankommt.

Der Ärmelkanal und die Biskaya haben die Segler nicht geschont. Schon auf dem ersten Streckenteil waren mehrere Havarien zu beklagen. © Jean-Marie Liot
Engagierte Stadtbehörden
Wer das Glück hatte, den Start einer der ersten Ausgaben der Route du Café mitzuerleben, erinnert sich vielleicht noch an die heruntergekommenen Lagerhallen. Mittlerweile wurden die früheren Kaffeedocks rund um das Paul-Vatine-Becken nicht zuletzt dank der beiden Bürgermeister von Le Havre, Antoine Rufenacht (bis 2010) und Edouard Philippe komplett renoviert. Die Stadtbewohner haben sich das Gelände wieder zu eigen gemacht und aus dem einstigen Handelshafen ist ein angesehener Jachthafen geworden. Natürlich hat auch die Nähe zu Paris, das mit dem Zug in nur zwei Stunden zu erreichen ist, zu dieser Entwicklung beigetragen. Während der Regatta wird das Hafengelände von den Stadtbewohnern gut besucht und die bekannte Bar der Transat mutiert eine Woche lang zum „Place to be“ für Clubber.
Neuer Zielhafen
Nachdem die TJV Cartagena in Kolumbien, Salvador da Bahia in Brasilien und Puerto Limon in Costa Rica angesteuert hat, nimmt sie dieses Jahr erstmals Kurs auf Itajai in Brasilien. Durch diesen Zielhafen wird die Transat so lang wie noch nie, was ihr Ansehen weiter steigern könnte. Vor allem für die Class 40, die je nach Wind- und Wetterlage in den Doldrums rund dreissig Tage auf dem Meer verbringen werden, sind die 5700 zu bewältigenden Seemeilen eine echte Herausforderung.

Nach der Kenterung der Virbac Paprec sind nur noch zwei der anfänglich drei MOD70 im Rennen. © Jean-Marie Liot
Operativ scheint die Transat Jacques Vabre in guten Händen. Wettfahrtleiter Manfred Ramspacher, ehemaliger Manager der Tour de France à la Voile, wird bei seiner Aufgabe von Sylvie Viant und René Boulaire unterstützt. Er hat die Nachfolge des mittlerweile verstorbenen Jean Maurel, der die Transat mit der Firma Pen Duick seit 2005 geleitet hatte, übernommen. Und der hat die Latte sehr hoch gelegt!