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Die legendäre Klasse steigt ins Match-Racing ein

von Quentin Mayerat

Der Toucan stammt aus gutem Hause, schliesslich wurde er 1971 von André Fragnière und Pierre Noverraz entworfen. Wer schon einmal auf dem schlanken Racer gesegelt ist, der weiss: Der Toucan ist auch heute noch ein aussergewöhnliches Segelboot. Er hebt zwar nicht ab wie die Mehrrümpfer, ist schmal und dort mit einem Deck versehen, wo moderne Einrümpfer einen offenen achteren Bereich haben und ver•fügt weder über Schwenkkiel noch über Wasserballast, trotzdem ist der Toucan wie am ersten Tag eine sehr schnelle, auch bei widrigen Verhält•nissen sichere Kielyacht, die sowohl einhand als auch im Team einfach zu manövrieren ist.
„Wir wollten ein vielseitiges Einheitsboot, das nicht nur Dreieckskurse segeln, sondern auch grosse Genferseeregatten gewinnen kann“, so André Fragnière. Sie landeten einen Volltreffer. Kaum war der erste Toucan eingewassert, lernte er die Konkurrenten an der Bol d’Or 1971 das Fürchten. An Bord befanden sich vier herausragende Segler: Marcel Stern (der Eigner), Daniel Girardet, Philippe Durr und André Fragnière. Auf ihren Einstandserfolg folgten sieben weitere Siege in Folge. Erst 1979, als die Mehrrümpfer an der Genferseeregatta Einzug hielten, ging die eindrückliche Siegesserie zu Ende.

Konkurrenzstarke Boote
Bis heute wurden in verschiedenen Werften 87 Toucans gebaut. Ein grosser Teil entstand bei Luthi (Holz) und Psaros (Verbundstoffe). Die ersten bestanden aus formverleimtem Holz, dann kamen in den Achtzigern die Polyes•termodelle auf und in den späten Neunzigern die Epoxyyachten. Obwohl sich die Klasse technisch konstant weiterentwickelte – neues Ruder und neuer Decksplan im Jahr 2000, Square-Top-Grosssegel 2003, selbstwendende Fock und neu dimensionierte fl iegende Genua 2006, Backstagen 2009 – fanden die Regatten stets nach strikten One-Design-Regeln statt, damit alle Boote, egal welchen Alters, Sie•geschancen haben.

„Dieses Kunststück ist mit ein Grund für die Lebendigkeit der Klasse“, ist sich Luc Munier, der neue Präsident der Klassenvereinigung Asprotoucan, sicher. „Auf diese Weise kom•men immer neue Mitglieder hinzu. Oft sind sie jung und motiviert und müssen sich nur etwas im Occasionsmarkt umschauen, um ein konkurrenzfähiges und erschwingliches Boot um die 40’000-60‘000 Franken zu fi nden.“ Ein weiterer Vorteil der Klasse ist die von der ACVL genehmigte gesonderte Wertung an Open-Re•gatten, wie sie auch die Surprise und die Grand Surprise geniessen. „Dadurch können Regat•teure, die es leid sind, sich mit Ratingprob•lemen herumzuschlagen, unter gleichen Vo•raussetzungen und ohne Rüstungswettkampf in einer Einheitsklasse starten“, begrüsst Luc Munier die Entscheidung der ACVL und führt sogleich an: „Alle diese Faktoren haben den Zusammenhalt und die freundschaftliche Atmosphäre unter den Toucan-Seglern noch ver•stärkt. Es kann ganz unkompliziert regattiert werden – ohne Profi-Segler, ohne Coach und ohne Begleitboot. Ausserdem achten wir da•rauf, dass die Entwicklung des Bootes nicht ausser Kontrolle gerät, um die Toucan-Klasse nicht zu destabilisieren. Dennoch ist nicht aus•zuschliessen, dass wir eines Tages vielleicht den asymmetrischen Spi einführen.“

Leidenschaftliche Bootsbauer, keine Geschäftsleute…
Trotz seiner vielen Qualitäten ist der zugege•benermassen nicht sehr komfortable Toucan kaum über den Genfersee hinausgekommen. Es wurden zwar einige Versuche gestartet, ihn in der Deutschschweiz und sogar international einzuführen, doch ohne Erfolg: „Wir sind Boots•bauer, keine Geschäftsleute“, gestehen André Fragnière und Jean Psarofaghis unverblümt. Wie so viele Gleichgesinnte hegen auch sie eine anspruchsvolle und exklusive Liebe zum See und zu Booten. Auf den Toucan sind sie aber besonders stolz. Ihre Augen leuchten ver•dächtig, wenn sie von dem einen oder anderen Kreuzschlag oder Höllenritt unter Spi erzählen. Heute ist dieser auf 135 m2 begrenzt, doch es gab Zeiten, da war er bis zu 180 m2 gross.

Das gleiche Feuer brennt auch in Luc Muniers Augen, wenn er auf sein Match-Race-Projekt zu sprechen kommt: „Im Mai 2010 wird es so•weit sein, dann feiern wir in Morges Premie•re“, freut sich der Klassenpräsident. „Das Boot eignet sich bestens für diese Art von Regatta. Russell Coutts hat übrigens vor ein paar Jahren auf einem Toucan ein Match Race bestritten. Es war faszinierend. Match Racing hat zwei grosse Vorteile“, so Munier weiter, „es bietet vor allem am Saisonanfang qualitativ erstklassige Trai•ningsmöglichkeiten und gibt den Teams Gele•genheit, sich auch bei geringer Teilnehmerzahl aneinander zu messen.“ Doch eigentlich ist die Flotte meist gross genug: An der Bol d’Or 2009 waren 30 Toucan am Start.

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