
Arnaud Psarofaghis am Steuer der Realteam ersegelt sowohl bei den Extreme 40 als auch bei den D35 und bei den Einrümpfern viele Podestplätze. Er wurde an den SUI Sailing Awards 2014 (S. 76) zum besten Schweizer Segler gekürt.. © Lloyd Images
Der Doppelschlag kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit ihrem ersten und zweiten Platz im Act 7 der Extreme Sailing Series in Nizza wiederholten Alinghi und Realteam ihre Meisterleistung von Qingdao und gingen in die Annalen des hart umkämpften internationalen Segelwettkampfes ein. Bei den America’s-Cup-Siegern von 2007 lief an der Côte d’Azur alles rund. Sie gewannen nicht nur den Act, sondern distanzierten auch ihren hartnäckigsten Gegner The Wave, Muscat aus Oman. Die berühmte Promenade des Anglais brachte den Briten kein Glück. Leigh McMillan wollte einfach nichts gelingen. Er war gegen Morgan Larson, Pierre-Yves Jorand, Nils Frei, Yves Detrey und Anna Tunnifliffe völlig chancenlos. Bei genferseeähnlichen Bedingungen mit 4 bis 8 Knoten Wind fühlten sich Alinghi-Skipper Morgan Larson und seine vier Crewmitglieder trotz des rasanten Starts wie zuhause. Nach ein paar Rückschlägen krempelte das Schweizer Team seine Strategie relativ rasch um und ebnete sich so den Weg zum Gesamtsieg. „Bei Leichtwind muss man sich manchmal einfach nur auf die eigene Position, die Taktik und den Start konzentrieren, ohne die anderen Boote zu beachten“, erklärte der Kalifornier, der sich sichtlich über den Erfolg freute.
„Wir haben die richtige Formel gefunden“
Alinghi hat es seit 2013 immer aufs Podest geschafft, wird aber von Mal zu Mal stärker. Das Team baut seinen Vorsprung in der Zwischenwertung nicht zuletzt wegen McMillans unglaublichem Ausrutscher (8. in Nizza) immer mehr aus. Die grösste Gegenwehr leisteten Alinghis Lieblingsgegner bei den D35: Die jungen Talente von Realteam beeindruckten einmal mehr aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten und ihres präzisen Segelstils. Nach den ersten beiden Tagen hatte das Team um Jérôme Clerc sogar noch in Führung gelegen. Mit ihrer herausragenden Leistung gehören die Youngster aus Genf schon in ihrer zweiten Saison zu den Besten des Circuits. Bescheiden meinte der Skipper: „Uns liegen Leichtwindbedingungen und wir halten uns seit Saisonanfang immer an die gleiche, bewährte Strategie. Wir haben das Gefühl, auf solchen Kursen die richtige Formel gefunden zu haben. In den beiden Jahren, in denen wir bei den Extreme 40 mitgemischt haben, glich keine Regatta der anderen. Wir sind wechselnde Bedingungen gewohnt. Uns scheint es wichtig, dass wir an unserer Strategie festhalten, einfach weitersegeln und versuchen, unseren Vorsprung in der Gesamtwertung ohne Patzer zu halten.“
Griff nach dem heiligen Gral
Stadionsegeln scheint den Genfern zu liegen, dennoch blieb ihnen der heilige Gral bisher verwehrt. Bereits im Mai in Qingdao hatten sie den Sieg nur knapp verpasst und auch diesmal fehlte nicht viel. Dass sie aber das Potenzial haben, siegreich nach Hause zu kommen, haben Arnaud Psarofaghis, Jérôme Clerc, Thierry Wasem, Bruno Barbarin und Bryan Mettraux bewiesen. Vermutlich fehlt ihnen nur ein Quäntchen Erfahrung, um mit ihren Landsleuten vom Team Alinghi gleichzuziehen. Am deutlichsten zeigte sich die mangelnde Routine beim Abschlussrennen. Jérôme Clerc freute sich über den 2. Schlussrang, räumte jedoch ein: „Wir sind heute wirklich gut gesegelt. Leider gilt dies nicht für das letzte Rennen, in dem es die doppelte Punktzahl gab und das für den Ausgang entscheidend war. Aber so ist das nun einmal. Wir sind im Vergleich zu Alinghi noch ein junges Team und haben nicht so viel Erfahrung im Stadionsegeln. In Sydney, wo es die doppelten Punkte zu gewinnen gibt, ist alles noch offen, und ich bin sicher, dass dort hart gekämpft wird.“ Das Final dürfte spannend werden!

Die Schweizer Leader waren voller Lob für ihre jungen Nacheiferer von Realteam: „Sie steigern sich unglaublich schnell und haben sich in kürzester Zeit mit den atypischen Regattabedingungen und dem besonderen Format zurechtgefunden“, sagte Nils Frei, der Vorsegeltrimmer bei Alinghi. © Lloyd Images
Stark wie nie
Die beiden Schweizer Teams haben gute Aussichten auf die beiden ersten Plätze in der Saison-Schlusswertung. Die Konkurrenz wird sich bestimmt nicht kampflos ergeben, aber Träumen ist ja schliesslich erlaubt. Leigh McMillan, Ben Ainslie und Dean Barker können sich alle noch Chancen auf den Gesamtsieg ausrechnen.
Noch vor dem letzten Act wurde bekannt, dass mehrere Teams nächstes Jahr nicht mehr dabei sein werden, weil sie im America’s Cup engagiert sind. Schade eigentlich, denn das Niveau an den Extreme Sailing Series war noch nie so hoch und einheitlich wie 2014. Die gesamte Flotte glänzte mit überragenden Leistungen. Bedingt durch das Programm der AC45 könnten den Extreme 40 aber die besten Skipper (Cammas, Ainslie, Barker) verloren gehen. Eine weitere Gefahr geht von neuen Circuits wie dem der Foilerkatamarane GC32 aus. Alinghi hat für 2015 schon so gut wie zugesagt, weniger klar ist eine Teilnahme für Jérôme Clerc und sein Team. Die Entscheidung soll nach Sydney fallen. „Es wäre bedauerlich, wenn nächstes Jahr all die grossen Segelstars abwesend wären“, sagte auch Nils Frei vom Team Alinghi.

In der Türkei brach ohne Fremdeinwirkung der Mast der Alinghi. Schuld war eine zu grosse Spannung im Rigg beim Abfallen. Die Havarie bescherte dem technischen Team eine lange Nacht. Am nächsten Tag war der Katamaran wieder flott und holte den 3. Platz. Realteam belegte an diesem Act den 9. Platz und verzeichnete damit sein schlechtestes Saisonergebnis. Das zweitschlechteste war ein 5. Platz in Cardiff (Alinghi wurde dort 2.). © Lloyd Images
