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Ein Schweizer Boot am Start

von Quentin Mayerat

© zVg

„Ein Rennen für Leute wie Sie.“ Der Slogan unter dem eindrücklichen Bild eines grossen Einrümpfers spricht an. David Baehler aus Genf zumindest wurde an einem Herbsttag im Jahr 2012, als er im englischen Luton auf seinen Zug wartete, dank dieses Mottos auf den Anlass aufmerksam. Er arbeitet bei einer Fluggesellschaft und segelt in seiner Freizeit. Eine Idee geisterte aber schon lange in seinem Kopf herum: Er möchte über die Meere kreuzen, wenn möglich mit der Familie, konnte seine Frau und seine beiden Söhne aber bisher nicht für dieses Vorhaben begeistern.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Clipper Race ist ein Schiff aus einem Binnenland an dem stark angelsächsisch geprägten Anlass vertreten. Es stammt aus der Schweiz und segelt unter dem Namen Switzerland. Auch Swiss Sailing ist mit der von der Partie. © Julie Senekal

40’000 Seemeilen

Also beschloss er, sich allein in das Abenteuer des Clipper Race zu stürzen. An dem Rennen segeln zwölf werftneue 70-Fuss-Einrümpfer während elf Monaten in acht Etappen und 14 Zwischenhalten auf sechs Kontinenten einmal um die Welt. Insgesamt bewältigen Sie 40’000 Seemeilen. Die erste Etappe startet am 1. September in London in Richtung Brasilien. An Bord jedes Schiffes befinden sich ein Profi-Skipper und zwanzig Teammitglieder zwischen und 18 und 72 (!) Jahren. Neulinge sind ebenso dabei wie erfahrene Segler. Einige segeln nur eine, andere mehrere Etappen oder sogar das ganze Rennen. Kostenpunkt der Weltumsegelung: 42’000 britische Pfund (ca. 60’000 Schweizer Franken) oder 5000 Pfund pro Etappe.

Training bei schwierigen Bedingungen: David Baehler aus Genf © Clipper Ventures Plc

David Baehler ist auf der Switzerland einer von fünf Schweizern. „Wir wollten eigentlich ein ausschliesslich schweizerisches Team aufstellen, aber die Frist war zu kurz“, sagt Vincent Hagin, Präsident von Swiss Sailing, dem Teampartner des Clipper Race. Die Teilnahme eines Schweizer Bootes wurde erst Ende Mai 2013 bestätigt. Es wird auf der Seite das Logo von Mercy Ships, einer Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in Lausanne, und das von Swiss Sailing tragen.“ Mercy Ships wurde 1978 von Don Stephens in der Waadtländer Hauptstadt gegründet. Sie stellt den Lokalbevölkerungen vor allem in Westafrika Spitalschiffe zur Verfügung, auf denen die Bewohner kostenlos medizinisch versorgt werden. Ausserdem bietet sie medizinische Ausbildungskurse an. „Auf den Schiffen werden jedes Jahr rund 7000 Operationen durchgeführt“, sagt Salvatore Mandrà, der Marketingleiter von Mercy Ships.

Einzige Skipperin am Clipper Race: Vicky Ellis steuert die Switzerland. © Clipper Ventures Plc

Anspruchsvolle, spartanische Schiffe

David Baehler nimmt im Oktober an der zweiten Etappe von Rio de Janeiro nach Kapstadt durch die brüllenden Vierziger teil. Der Genfer hat im Mai, Juni und Juli die drei obligatorischen praktischen Trainings absolviert. „Dabei geht es darum, sich mit den anspruchsvollen Hochseejachten und vor allem mit den altmodischen, ermüdenden Segelmanövern vertraut zu machen, denn die Schiffe haben keine Winschen“, erklärt er. „Auch die Sicherheit ist ein wesentlicher Punkt. Aufgrund dieser Trainings wählen die Skipper später ihre Wachoffiziere aus.“ Auf der Switzerland ist die 30-jährige Vicky Ellis aus Bristol, die einzige Frau der ganzen Flotte, dafür verantwortlich.

David Baehler brennt darauf, loszusegeln. Er hat auch keine Angst, sieht man einmal von der wenig erbaulichen Möglichkeit ab, ins Wasser zu fallen. Die unzählige Male wiederholten Sicherheitsübungen sind aber schliesslich dazu da, Ängste abzubauen. Ausserdem sind die Jachten mit allen erdenklichen Kommunikationsmitteln ausgestattet. Dass es dennoch keine gemütliche Kreuzfahrt wird, weiss Baehler. Die Schiffe sind spartanisch eingerichtet. Als Bett dienen einfache Pritschen, WCs sind nur zwei vorhanden und Bullaugen gibt es gar keine. Für ihn, der sonst auf einer Oceanis 40 segelt, wird es also eine ziemlich grosse Umstellung sein.

Swiss Sailing mit dabei

Für Swiss Sailing ist die Teilnahme ein einmaliges Ereignis. Der Verband wurde im Februar 2012 von den Organisatoren des Clipper Race kontaktiert. Für alle Kontakte stand ihm der seit langem in der Schweiz lebende Brite Chris Preston unentgeltlich zur Seite. Er steht der Regattaszene in Grossbritannien nahe und unterstützt das Projekt, Amateuren die Möglichkeit zu bieten, im Rahmen einer Regatta um die Welt zu segeln. Bei Swiss Sailing übernahm Geschäftsleitungsmitglied Martin Strobel die Leitung des Projekts.

„Es gibt keinen Zweifel“, sagt Vincent Hagin, „dass die Erfolge der Schweizer Segler am America’s Cup, dem Youth America’s Cup, der Vendée Globe, dem Hydros-Projekt und anderen Anlässen und auch die in der Schweiz entwickelte Spitzentechnologie die Briten dazu veranlasst haben, an unser Land zu denken.“ Für Swiss Sailing sei es sehr wichtig, sich an grossen Segelanlässen zu profilieren, führt er fort. „Wir beteiligen uns deshalb an Ereignissen, die für junge und weniger junge Schweizer Segler motivierend sind. Dazu zählen der Youth America’s Cup Anfang September 2013, das Hydros-Projekt der C-Class, die ihre WM 2015 in Genf austragen, und das 9. Clipper Race 2013/2014. Im letzten Jahr lag der Schwerpunkt auf den Olympischen Spielen in London. Alle Initiativen zielen darauf ab, den Verband bei den 100’000 Seglern in der Schweiz und in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen. Unsere Rolle am Clipper Race war die eines Vermittlers, insbesondere in Schweizer Wirtschaftskreisen.“

*Lesen Sie den Bericht über die Schiffstaufe auf den Swiss-Sailing-Seiten.

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