Das Segeln vereint sie, obwohl ihre Berufe gegensätzlicher nicht sein könnten. Christophe Péclard arbeitet als Designer in der Segelmacherei Gautier und lebt in Châtel-Saint-Denis. Skipper Marc Buntschu aus Leysin ist Käser, sein Teamkollege Yvan Racenet aus Le Bouveret Patissier. Und der Genfer Arzt Jean-François Guillet spannt mit Jean-Jacques Riond zusammen, der als Sicherheitsbeauftragter in einer Klinik tätig ist. Sie stammen aus völlig unterschiedlichen Bereichen und doch bestreiten sie alle die Transquadra, eine Regatta in zwei Etappen. Die erste startet am 6. Juli in Barcelona oder am 10. Juli in Saint-Nazaire und führt nach Porto Santo auf Madeira, wo die Teams zwischen dem 16. und 25. Juli erwartet werden. Zur zweiten Etappe starten alle Boote am 28. Januar 2012 in Porto Santo und nehmen dann die 2700 Seemeilen bis nach Martinique unter den Bug.

Buntschu/Racenet auf Calyps, La Marine Morgan bei den letzten Vorbereitungen. © Marguerite Martinoli
Für die Schweizer beginnt das Abenteuer an Land. Einzige Ausnahme ist Christophe Péclard, denn in seinem Team übernimmt Skipper Hervé Chanu aus Frankreich die Aufgabe, seine A35 Expat regattatüchtig zu machen. Alle anderen haben den Zeitaufwand für die Vorbereitung ihrer Boote – die Sun Fast 3200 Ocean Vox der Genfer und die pogo8.5 Calyps La Marine Morgan des Teams aus le Bouveret – unterschätzt und sind jetzt in Verzug. Sie lassen sich aber auch davon nicht abschrecken und kümmern sich gewissenhaft um die Bootsausstattung, nehmen Feineinstellungen vor, lernen die Bordelektronik zu bedienen und berechnen den nötigen Proviant. Beim Interview sagte uns Yvan Racenet mit leuchtenden Augen: „Ich will die Antillen spüren, bevor ich sie sehe.“ Egal, welche Schwierigkeiten sie meistern müssen, die „Quadras“ haben nur ein Ziel: gut betreut regattieren und dabei Spass haben. Eine der grössten Hürden ist dabei das Geld. Guillet/Riond konnten bisher keinen Sponsor für ihr Budget in Höhe von 300’000 Franken auftreiben. In diesem Betrag inbegriffen ist der Kaufpreis des Bootes, das nach der Regatta wieder verkauft werden soll. Beim Team Buntschu-Racenet beträgt das Budget ohne Boot 80’000 Franken, 50 Prozent gehen allein für den Transport weg. Ein Grossteil, 60’000 Franken, um genau zu sein, wird von Freunden übernommen.
Die Vorbereitung sei eine ständige Weiterbildung, urteilt Yvan Racenet. „Es ist eine Lektion fürs Leben, die ich bei den von der ISAF organisierten Überlebenskursen auf dem Meer gelernt habe. Mit den MaxSea-Kursen habe ich meine Kenntnisse deutlich verbessert“, sagt auch Marc Buntschu. Jean-François Guillet und Jean-Jacques Riond haben den Schwerpunkt auf Konditionstraining, propriozeptives Beintraining und Krafttraining der Arme gelegt. Christophe Péclard bereitet sich nicht speziell vor, er freut sich ganz einfach auf seine erste Atlantikregatta.
Wertvolle Tipps
Die Schweizer mischen bei dieser Regatta noch nicht sehr lange mit. Die allererste Schweizer Beteiligung verdanken wir Christina Lombardi aus Lugano. Sie hatte sich zu ihrem 50. Geburtstag die Teilnahme an der 6. Einhand-Ausgabe gegönnt und war im 25 Boote starken Feld auf Rang 11 gesegelt. „Trotz einer dreijährigen Vorbereitung auf meiner polo8.5 Zenzero war die erste Etappe unglaublich hart“, erinnert sie sich. „Drei Tiefs, technische Probleme und ein gerissenes Grossegel machten mir das Leben schwer.“ Den dabei angesammelten Rückstand konnte sie unmöglich aufholen. Bei der zweiten Etappe zeigte sich das Wetter dann etwas milder. Sie wurde von Hochs begleitet, wie sie im Lehrbuch stehen. Die Aufbewahrung der Lebensmittel für die 15 bis 20 Tage war auch ohne Kühlschrank kein Problem. Auf Anraten von erfahrenen „Quadras“ hatte sie gefriergetrocknete Nahrung mitgenommen. Die liegt noch heute in den Schränken! Ihr Tipp für die Konkurrenten der Transquadra 2011-2012 lautet deshalb auch: „Spart nicht zu sehr beim Gewicht, vor allem nicht bei den Ersatzteilen und Werkzeugen. Sicherheit geht immer vor. Es geht schliesslich darum Spass zu haben und heil ins Ziel zu kommen.“

Der Franzose Roland Fardeau, 2. der Transquadra 2008, stürzt sich erneut ins Abenteuer. © www.oursonblanc.com
2008 segelte der Franzose Roland Fardeau bei seiner ersten Transquadra auf Rang 2 in der Gesamtwertung. Dieses Jahr versucht der Kommunikationsleiter der Bootswerft Jeanneau das Abenteuer allein anzugehen. Auch bei ihm steht die Sicherheit an oberster Stelle. „Man muss ständig angebunden sein und seinen Schlaf genau einteilen“, sagt er. Er geht deshalb auch alle zwei Wochen nachts segeln, damit er den Schlaf in den Griff bekommt und lernt, seine Erholungsphasen den Bedingungen auf hoher See anzupassen. Er empfiehlt allen Teilnehmern und ganz besonders Einhandseglern immer eine wasserdichte Überlebensbox mit einem Satellitentelefon und einer Zweitbrille griffbereit zu haben. „Wie wichtig solche Details sind, zeigt sich erst, wenn man in Schwierigkeiten steckt“, weiss Fardeau und fügt dann noch einen letzten Tipp an: „Nie das Boot verlassen!“
Eine Fun-Regatta
Als Mico Bolo 1993 die erste, mittlerweile alle drei Jahre durchgeführte Transquadra auf die Beine stellte, waren 17 Boote am Start. Für die diesjährige 7. Ausgabe sind 121 Boote aus 12 Ländern gemeldet. Anfang Juli sind 210 über 40-jährige Segler in See gestochen. Der Älteste ist 76 Jahre alt und bereits das 5. Mal mit dabei. Das liegt bestimmt auch an der guten Stimmung, der ungeheuren Solidarität unter den Seglern und der uneingeschränkten Hilfsbereitschaft. Verbissene, siegesversessene Regatteure sind nicht dabei, denn im Vordergrund dieser von freiwilligen Helfern organisierten Fun-Regatta steht die Freude am Segeln. Nochmals Roland Fardeau: „Dieses Rennen ist ungefährlich, jedes Boot führt einen Argos-Transmitter mit, wir werden gut betreut und jeden Morgen erkundigt sich die Wettfahrtleitung bei den einzelnen Teams nach dem Befinden.“
Ranglisten und weitere Infos auf Skippers.tv und www.transquadra.com


