
Au côté des nombreux gréements classiques et bateaux de sport, trois bateaux de course ont fait le déplacement. Ici, le quillard en carbone Wild Lady de Wolfgang Palm. © Bjorn Kreuzen
Vor über 35 Jahren war die Bodenseewoche in Vergessenheit geraten. Seit 1972 scheiterte eine Neuauflage des grossen Treffens der Bodenseesegler, die in unregelmässigen Abständen immer wieder von einem anderen Verein organisiert wurde, am eigenen Erfolg. Kein Verein traute es sich mehr zu, eine solche Mammutveranstaltung einigermassen koordiniert über die Bühne zu bringen. Die Tradition schien tot.
Doch Totgesagte leben länger. Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum sassen die Bodenseesegler 2009 im Konstanzer Hafen wieder beisammen, liessen ihre Einheiten von unzähligen Besuchern bestaunen, diskutierten, regattierten und genossen ein perfekt organisiertes Rahmenprogramm. Verantwortlich dafür: Robert Hallmann, heute 45-jährig, ehemaliger Olympiasegler mit Managementerfahrung aus dem America’s Cup und anderen professionellen Regattatouren. Sein Ziel: Eine Wiederbelebung der Bodenseewoche mit modernen Strukturen und nach dem Vorbild der grossen mediterranen Segelwochen.
Vielfältiges Programm mit klarem Profil
Beim Besuch der Bodenseewoche am letzten Maiwochenende 2011 schien es, als habe der umtriebige Konstanzer all seine Ziele erreicht. 122 Jachten waren dem Ruf der 18 an der Organisation beteiligten Vereine gefolgt und konnten in drei Tagen auf fünf Regattabahnen und in 17 Wertungsklassen alle sieben ausgeschriebenen Läufe segeln. Mit 20 Einheiten besonders gut vertreten waren dabei die 30er Schärenkreuzer. Aber auch viele andere klassische Jachten waren zugegen, wie etwa der Achter Bayern II vom Lindauer SC, mit seinen 100 Jahren das älteste Boot der Flotte. Auch die nach ORC gewerteten Sportboote brachten ein stattliches Feld zusammen, ganz im Gegensatz zur Racer-Klasse, die mit nur drei Einheiten vertreten war, was unter anderem am noch immer tiefen Wasserstand des Bodensees gelegen haben mag, der ein Einwassern der schnellen Technologiemonster teils verunmöglicht hatte.
Die ca. 70‘000 Besucher, die an den drei Tagen den diversen Verkaufsständen des Maritim- und Kunsthandwerksmarkts entlangschlenderten, die von Händlern an der InWaterBoatShow ausgestellten Einheiten sowie Dampfboote, klassische Motorboote und Automobile begutachteten, Platzkonzerte und diverse Darbietungen genossen und sich im Modellsegeln übten, kamen noch mit weiteren Wassersportarten in Kontakt. So fand ebenfalls im Rahmen der Bodenseewoche der Bodenseeski-Cup, die lokale Meisterschaft der Wasserskifahrer, statt und die Ruderer präsentierten ihren Sport mit Sprintregatten im Hafenbecken, Einlagen im Stilrudern und der Achter-Regatta 3 Miles of Constance. Robert Hallmann erklärt dazu im Interview: „Wir wollen, dass sich an der Bodenseewoche Wassersportler aus den unterschiedlichen Sparten begegnen und austauschen können. Und wir wollen dem Publikum offen einen breiten Querschnitt des Wassersports präsentieren, sowohl was die verschiedenen Sportarten angeht, als auch technologisch-historisch. Das soll die Akzeptanz für unsere politischen Anliegen stärken. Und dazu tragen auch die Händler bei, die ihre Produkte nicht nur einem interessierten Fachpublikum, sondern auch der breiten Öffentlichkeit präsentieren.“ Auf die Bemerkung hin, im Vergleich zum Vorjahr habe sich in Bezug auf Konzept und Programm nicht gerade viel verändert, meint Hallmann schmunzelnd: „Never change a running system!“ und ergänzt: „Die Veranstaltung soll ein klares Profil haben. Wir wollen keine ständigen Wechsel. Das Publikum und die Teilnehmer müssen wissen, was sie erwartet.“
Alle im gleichen Hafen

Nur am Freitag verweigerte die Sonne ihre Unterstützung, dafür sandte Äolus 18 Knoten Wind. Am Wochenende kamen dann aber auch die zahlreichen Besucher im Lindauer Hafen wettertechnisch voll auf ihre Kosten. © Alexander Schnurer
Der Erfolgt gibt dieser Philosophie eindeutig Recht. Den Vergleich mit ähnlichen Veranstaltungen am Mittelmeer, die Hallmann schon oft besuchte und die bei der Neukonzeption der Bodenseewoche eindeutig als Vorbild dienten, braucht man am „schwäbischen Meer“ in vielen Bereichen nicht mehr zu scheuen. Und was das Teilnehmerfeld angeht, so strebt der energiegeladene Visionär Hallmann diesen Vergleich auch gar nicht erst an – immerhin wäre die Bodenseewoche schon einmal beinahe an ihrer Grösse zu Grunde gegangen. „Wir überlegen uns eher, für nächstes Jahr eine Obergrenze einzuführen. Für uns hat es absolute Priorität, dass alle Schiffe während der Veranstaltung im Konstanzer Hafen untergebracht werden können. Das ist unser grosser Bonus gegenüber anderen Veranstaltungen und daran wollen wir festhalten. Wir würden uns aber freuen, wenn noch mehr auswärtige Boote teilnehmen würden, auch wenn wir bereits dieses Jahr ein Team dabei hatten, das mit seinem Boot extra aus Kanada angereist ist.“
Als Vergleichsreferenz sind die Segelwochen am Mittelmeer bei Hallmann aber immer noch präsent, genauso wie seine unbedingte Begeisterung für den Segelsport. Als sich während des Interviews langsam eine Wand aus Spinnakern dem Hafen nähert und in bestem Licht die gesamte Schönheit des Segelsports zur Schau stellt, hält es Hallmann auf seinem bequemen Sitz auf der VIP-Terrasse nicht mehr aus. Er sprang auf, rennt auf die Mole zu, zeigt auf das Regattafeld, welches sich eng beieinander auf die nahe dem Ufer ausgelegte Ziellinie des Harbour-Races zubewegt und ruft in absoluter Begeisterung: „Da, dieses Bild, das ist St. Tropez…, das ist Cannes…, das ist schöner als am Mittelmeer!“
Die Aussage mag gewagt klingen, auch wenn man das Hallmann in seiner Ekstase gern verzeiht. Doch er hat tatsächlich Recht. Während die Segler in Konstanz zwei Tage mit absolutem Sonnenschein und mässigem Wind und einen zwar nassen, mit 18 Knoten Wind aber erfreulichen Segeltag verbrachten, war es am Mittelmeer tatsächlich einiges weniger „schön“. Gemäss Wetterdienst war es kalt, nass und mehrheitlich windstill.
Der Bodensee kann also durchaus die bessere Alternative sein. Vielleicht im nächsten Jahr vom 31. Mai bis 3. Juni in Konstanz?
Resultate unter: www.bodenseewoche.com


